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Nach anderthalbjährigem Umherirren hat nach umfangreichen Sanierungsarbeiten das TalTonTheater im Januar sein erstes eigenes Haus in Wuppertal eröffnet. Das Ensemble setzt formal auf klassisch: Rot, Gold, Kronleuchter. Inhaltlich wird’s bunter. Regisseur Jens Kalkhorst erzählt von der Startphase an der Wiesenstraße 118.
coolibri: Die ersten Wochen im neuen Haus sind rum. Wie lassen sie sich beurteilen?
Jens Kalkhorst: Absolut positiv. Das Publikum ist sehr freundlich und gibt eine Menge Feedback an der Bar, via E-Mail und auch am Telefon. Die Besucher testen neugierig die neue Location und das Programm und sind bisher sehr angetan von beidem. Besonders freut uns, dass die Liebe zum Theater, die wir in das neue Haus gesteckt haben, wahrgenommen und honoriert wird und die Menschen sich so wohl bei uns fühlen.
Das Stammpublikum war bestimmt längst da. Wie steht’s mit neuen Gesichtern?
Wir erhalten aktuell besonders nach den Wochenendaufführungen eine große Anzahl von Newsletterbestellungen und gehen hier von Neukunden aus. Einige Besucher, des Musicals zum Beispiel, outen sich allerdings durchaus als Stammkunden, die das Stück bereits zum dritten Mal sehen! Es scheint sich bisher die Waage zu halten.
Kürzlich war zu lesen, dass Restkarten zum kleinen Preis an sozial schlechter Gestellte herausgegeben werden sollen. Wird das in Anspruch genommen?
Bisher waren die Vorstellungen stets ausverkauft, das macht die Sache schwierig. Dennoch hatten wir bereits zweimal an der Abendkasse die Nachfrage nach einem solchen Roulette-Ticket. In einem der Fälle konnten wir tatsächlich noch einen kurzfristig freigewordenen Platz für drei Euro vergeben. Ein bisschen Glücksspiel im Theater.
Wie gestaltet sich das nächste Vierteljahr im neuen TTT?
Der Fahrplan ist gut gefüllt. Neben der Erfolgskomödie „Der dressierte Mann“ warten wir zurzeit noch mit der Improvisationskomödie „Shake … Macbeth“ auf, in der der Zuschauer in einer Stunde Shakespeares Tragödie als Komödie präsentiert bekommt; Text- oder Literaturkenntnisse sind nicht erforderlich. Im März kommen zwei neue Produktionen auf die Bühne: Zum ersten gibt es ein Wiedersehen mit dem Stück, das wesentlich zur Gründung des TalTonTheaters beigetragen hat: „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre. 2005 sorgte diese Inszenierung für ausverkaufte Vorstellungen und gab den Ausschlag, Theater in dem Rahmen zu machen, wie man es bis heute von uns kennt. Die zweite Produktion im März, „Willkommen in Deinem Leben“, ist ein Erfolgsstück aus den USA. Ein Roadmovie für die Bühne, wenn man so will, das es schafft, große Themen wie Tod und Liebe humorvoll zu verbinden. Ein echtes „Feel good“-Stück, übertrieben gesagt. Nicht zu vergessen: die hauseigenen Lesungen, mit denen wir das Programm abrunden, zum Beispiel als Ableger des Märchenfestivals auf der Hardt – „Die Märchenweltreise“. Bei jeder Vorstellung werden Märchen eines Landes präsentiert. Mit einem passenden Getränk wird der Abend eingeleitet. Das ist so im Groben der Anfang. Doch wir arbeiten jetzt schon an weiteren Konzepten, die wir dann im Herbst präsentieren wollen.
Das Haus soll auch als Kleinkunstspielstätte verstanden werden. Gibt es in nächster Zeit Gastspiele bzw. -produktionen?
Im Gespräch sind aktuell mehrere Lesungen und fest im Programm steht bereits für den 23. März die „Wortwache“. Die Lesereihe, die seit einem Jahr immer verschiedene Autoren an verschiedenen Orten präsentiert, macht nun auch bei uns Station. Dieser Abend gibt sozusagen den Auftakt und öffnet das Haus für Kleinkunst außerhalb des TTTs. Auch Jazz ist im Gespräch und wird von uns sehr geschätzt. Wir nehmen uns jedoch auch Zeit. Unser Spielplan wird in den nächsten Monaten langsam anwachsen, wir wollen das Publikum nicht zu früh mit zu viel überreizen.
JD
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