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Diese Frau kennt keine Furcht: Wagemutig wirft sich Anna-Maria Scholz in den Sturzbach der allgemeinen Redundanz, schwimmt an gegen die Untiefen des Daseins, weder Auslassungen noch Gedankensprünge können sie dabei ängstigen. Im Gegenteil: Sie macht sie sich zueigen, erhebt sie zur Kunstform, all die Halbsätze, die Gedankenfragmente, die Slogans, die unser Bewusstsein verstopfen. Dadurch wirken ihre gesungenen Bestandsaufnahmen noch authentischer. Klingt hochgestochen? Mag sein, aber jedes Wort ist wahr.
Anna-Maria Scholz, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Annamateur, ist eine Naturgewalt. Ihre unvergleichliche Stimme changiert schwerelos zwischen verschwitztem Blues, rauchigem Barjazz, elaboriertem Opern-Sopran und verspieltem Dada-Pop. Die Körpersprache der 34-jährigen Dresdnerin ist leidenschaftlich, keine Konzerthalle wäre ihrer unwiderstehlichen Bühnenpräsenz zu groß. Ihr zur Seite: die Außensaiter, zwei schnuckelige Zupfdohlen, links und rechts der Protagonistin platziert, die ihr virtuoses Spiel auf Cello und Gitarre selbst dann fortsetzen, wenn Annamateur ihre Finger nicht bei sich halten kann und ihren Gespielen an die Wäsche oder durch die Haare geht. Sie ist mal vulgär, dann wieder schüchtern, ihre Texte sind gestochen scharf, ungeziert und gallig. Das neue Programm „Screamshots – Ein musikalisches Overheadprojekt“ treibt diese unwirkliche Mischung auf die Spitze. Nichts ist mehr sicher, alles ist erlaubt. Musikkabarett wie es besser nicht sein könnte.
Sven Gantzkow
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