"Liberazione": eine interaktive Oper

Ungewöhnliche Inszenierung: Liberazione | Claudia Scheer van Erp

Starke Frauenbilder sind dieser Tage fast überall zu finden. Was gerade die jüngere Generation als völlig normal empfindet. Doch dem war nicht immer so: Die 1587 geborene Musikerin Francesca Caccini war eine Pionierin ihrer Tage. Die Florentinerin war die erste Opernkomponistin. Ihre Barockoper „Liberazione“ wird als multimediale Inszenierung vom Musiktheaterkollektiv AGORA in der Oper Wuppertal gezeigt.

Die Geschichte ist leicht erzählt: Alcina, ihres Zeichens mächtige Zauberin, hält den ihr völlig verfallenen Ruggerio auf ihrer Insel gefangen. Dessen Geliebte Bradamante sendet Hilfe, ihre Gefährtin Melissa. Diese schafft es mit einer List, Ruggerio zu befreien. Drei Frauen als Hauptcharaktere - ungewöhnlich für das Opernfach. „Alcina ist für uns aktuell, weil sie viele Gesichter, Welten und Erscheinungsformen hat, die sie selbst steuert und modelliert. Das kommt einer ständigen Selbstgestaltung via Social Media sehr nahe“, erklärt Anna Brunnlechner, Regieassistentin der Produktion.

Social Media spielt auch in der Inszenierung von Regisseur David Benjamin im weitesten Sinne eine Rolle. Auf ein knappe Stunde reduzierte er die Oper, das Publikum befindet sich inmitten der Akteure auf der Bühne. Schon lange setzt sich das Team um Benjamin mit der Frage auseinander, wie man einen neuen Zugang zum Medium Oper schaffen kann. „Dazu zählt vor allem auch die Situation des Zuschauers und die Frage: Wie schaue ich die Vorstellung an, was macht das mit mir? So entstand die Idee, die Distanz zwischen Parkettreihen und Bühnengeschehen aufzulösen“, so Brunnlechner.

Herausgekommen ist nun also eine Art begehbare Installation, die Zuschauer können mithilfe ihres Smartphones zwischen drei Kameraperspektiven wechseln und so der Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln folgen.: „Es ist unsere eigene Erfahrung, dass ein auf mehreren Ebenen sinnliches, körperliches und mediales Eintauchen in eine Oper zu einem tieferen Verständnis führen kann.“ Individuell kann das Publikum entscheiden, ob es den Protagonisten folgen oder einfach der Musik lauschen möchte. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man oft beim passiven Zuschauen im Parkettplatz abdriftet“, so Brunnlechner. „Wir überfordern den Zuschauer absichtlich etwas, damit er aktiv werden , wählen muss, was er sehen möchte und nicht nur berieselt wird.“ Die speziell dafür benötigte App kann vorab heruntergeladen werden. 

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