Politisches Puppenspiel: FIDENA wird 60

"Worst Case Scenario" aus Israel. | Foto: Ronnie Gross

Sie heben die Faust, bleiben standhaft, leisten Widerstand. Unter dem Motto „resist“ feiert das Figurentheater der Nationen seinen 60. Geburtstag. Politischer und textbasierter als zuvor zeigt das Festival FIDENA vom 9.–18. Mai internationale Künstler des Objekttheaters. Intendantin Annette Dabs und das FIDENA-Team haben mit 55 Veranstaltungen aus 13 Nationen ein breites Programm auf die Beine gestellt, das sich rund um aktuellen und historischen Widerstand dreht.

Das Wort Figurentheater reicht bei weitem nicht aus, um die FIDENA zu beschreiben. Es gibt Puppen, natürlich. Aber auch unscheinbare Alltagsgegenstände, sexistisches Kinderspielzeug, Papierfiguren und Plastikkanister bekommen ihren Auftritt. Das alles in Verbindung mit Schauspielkunst, Film, Musik- und Tanzperformance kommt einer Beschreibung des Objekttheaterspektrums zumindest ansatzweise nahe. Vor 60 Jahren zelebrierte die FIDENA ihre Geburtsstunde, seitdem kommen alle zwei Jahre Figurentheater von überall im Ruhrgebiet zusammen. In Bochum, Essen, Hattingen und Herne bauen Künstler nun wieder ihre Bühnen – mit und ohne doppeltem Boden – auf. Dabei scheuen sie keine Kosten und Mühen, um sich aus allen Himmelsrichtungen auf den Weg zu machen: Aus Frankreich, Norwegen und Großbritannien, aus Israel und dem Kongo. Zum allerersten Mal begrüßt das Festival argentinische Gäste: Mariano Pensotti und die Grupo Marea kombinieren Schauspiel, Film und Puppenspiel auf ganz besondere Weise. In diesem Jahr stellt sich die Kunst allerdings nicht allein in den Vordergrund, sie zerrt auch die Politik mit ins Rampenlicht. Das Motto „resist“ steht für Widerstand, nicht zuletzt für den weiblichen. Die pinke Schrift im Programmheft lenkt die Aufmerksamkeit somit schon in die richtige Richtung: Die FIDENA bekennt dieses Jahr im wahrsten Sinne des Wortes Farbe. Mit gestrickten pinken Mützen macht das Team auf die Widerstandsbewegung Pussyhat aufmerksam, die sich auch gegen Trumps sexistischen Äußerungen stark macht.

Vielfalt und schwarzer Humor

Neville Tranter | Foto: Wim Sitvast

In den Theaterproduktionen ist der politische Touch sehr vielfältig. Im Stück „Babylon“ beispielsweise begleitet der Zuschauer einen Geflüchteten namens Jesus. Puppenspieler Neville Tranter spielt hier mit viel schwarzem Humor und Blasphemie. Eine andere Perspektive schafft das Worst Case Scenario aus Israel mit „23 thoughts about conflict“. Dem politischen Widerstand nähern sich die vier Künstler aus den Bereichen Zirkus, Musik und Performance mit einem sehr persönlichen Einblick. Als deutsche Erstaufführung erklimmt „Sorry, Boys“ die Bochumer Bühne. Italienerin Marta Cuscunà schaut in ihrem Stück auf eine wahre Begebenheit: 18 jugendliche Amerikanerinnen wurden 2008 gleichzeitig schwanger und setzten ein Zeichen gegen häusliche Gewalt. Ohne ihre Eltern und ohne die Väter zogen sie ihre Kinder in weiblicher Gemeinschaft auf. Dieses wieder und immer noch aktuelle Thema rollt die Puppen- und Schauspielerin kreativ auf und zeigt, wie wichtig ihr Feminismus ist. Neben den Bühnendarbietungen lädt das Festival zum Mitmachen in der Rotunde ein: Die eigene Kreativität kann sich bei Workshops austoben, bei einer feministischen Karaoke darf lauthals mitgeschmettert werden und auch für Kinder gibt es einiges zu entdecken. Ein wahres Feuerwerk der Künste, könnte man meinen. Tatsächlich fehlt selbst das nicht im FIDENA-Programm: Ein „barockes Lustfeuerwerk“ von den Pyromantikern aus Berlin wird den Nachthimmel zum Leuchten bringen.