Theater Oberhausen: Bilder deiner großen Liebe

"Bilder deiner großen Liebe" feiert Premiere. | Foto: Ant Palmer

Nach Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ bekommt jetzt auch die Figur Isa ihre eigene Bühne im Theater Oberhausen. Protagonistin in „Bilder deiner großen Liebe“ ist das Mädchen, das Tschick und Maik als das Müllmädchen kennengelernt haben. Regisseurin Babett Grube und Dramaturgin Elena von Liebenstein haben den Roman in ein Theaterstück verwandelt. Amélie Schlachter hat mit ihnen über ihre Bühnenfassung gesprochen, die am 16. März Premiere feiert.   

Isa ist 14 Jahre alt, bricht aus einer Anstalt aus und läuft – barfuß und nur in Begleitung ihres Tagebuchs – immer geradeaus. Das sei sinnbildlich für ihren rauen Charakter, der gleichzeitig auch ihre Überlebensstrategie ist, so die Dramaturgin Elena von Liebenstein. Auf ihrer Reise kommt Isa an ihre (und andere) Grenzen, überschreitet diese, reißt sich immer wieder los und läuft weiter. Dabei beobachtet sie ihre Umwelt ganz intensiv und macht die unterschiedlichsten Begegnungen, wie zum Beispiel mit Maik und Tschick. Im fragmentarischen Werk Herrndorfs erzählt Isa ihre Geschichte, ihren eigenen Road Trip – wenn auch ohne Auto. „Bilder deiner großen Liebe hat eine ganz andere Wucht als Tschick“, erklärt Elena von Liebenstein. Mit einer gewissen Melancholie und dennoch Leichtigkeit stellt sich Isa „die großen Fragen des Lebens“. Im Zentrum steht die Freiheit beziehungsweise der Ausbruch Isas, auf der anderen Seite aber auch die Rückschläge, die sie zurückwerfen.  

„Es ist keine klassische Liebesgeschichte, es geht um die Liebe zum Leben und zum Selbst“, darin sind sich Regisseurin Babett Grube und Dramaturgin Elena von Liebenstein einig. Beiden ist es wichtig, dass die Zuschauer nicht mit einer falschen Erwartung ins Theaterstück gehen. Wer eine Lovestory erwarte, werde enttäuscht und sei wahrscheinlich nicht mehr offen für das, was auf der Bühne passiert. Obwohl der Roman oft in der Jugendabteilung der Buchhandlungen zu finden ist, ist er für Zuschauer aller Altersklassen gedacht, weil es um das Leben an sich geht. Trotzdem und gerade deshalb wird auch das Sterben thematisiert. Autor Wolfgang Herrndorf hat die Fragmente der Geschichte, die später als Buch zusammengefügt wurden, nie zu Ende geschrieben, er ist vorher an Krebs gestorben. Mit „Bilder deiner großen Liebe“ schaut der Leser durch Isas und gleichzeitig durch Herrndorfs Augen auf die Welt. Das hat Babett Grube und Elena von Liebenstein fasziniert und das wollen sie nun mit ihrer Inszenierung verdeutlichen.

Im Buch seien Realität und Fantasie nicht klar auseinander gehalten und genau das sei das Magische dabei: „Man weiß nie genau, was wirklich passiert ist und was Isa bloß erfunden hat,“ erklärt Babett Grube. Das habe man versucht im Bühnenbild darzustellen, ganz nach Isas Auffassung, dass Türen in den Alltag führen und Fenster zur eigenen Innenwelt. Wie genau das aussieht, wollen Babett Grube und Elena von Liebenstein allerdings nicht verraten. Den ganzen Roman auf die Bühne zu bringen, hätte zu einem dreistündigen Theaterstück geführt, aus dem Grund haben sie sich auf ausgewählte Szenen beschränkt. Die Schwierigkeit dabei war, die Auszüge so zusammen zusetzen, dass die Assoziation und das Verständnis nicht verloren gehen. In der Bühnenfassung erzählen drei Schauspielerinnen von Isas Abenteuer. Alle drei verkörpern die Protagonistin, jede auf ihre Weise.