coolibri präsentiert: Tanzplattform 2018

Inoah von Grupo de Rua / Bruno Beltrão | Foto: Kerstin Behrendt

Auf Spitze oder barfuß, im großen Ensemble oder zu zweit, streng durchchoreographiert oder performativ – im März ist die Welt des aktuellen Tanzes aus dem deutschsprachigen Raum in Essen zu Gast. Das Festival „Tanzplattform Deutschland“ findet alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt statt. 2018 wird es ausgerichtet von PACT Zollverein, Spielstätten sind neben der ehemaligen Kaue weitere Hallen auf dem Welterbe, das Aalto Theater und das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen.

Zu sehen gibt es 13 Produktionen an nur fünf Tagen. Das ist für Interessierte durchaus eine Herausforderung. Tatsächlich ist es bei guter Planung möglich, alle gezeigten Produktionen zu sehen und sich so in kürzerster Zeit einen in mehrfacher Hinsicht erschöpfenden Überblick über die Tanzlandschaft zu verschaffen. Vermutlich werden sich das aber nur Spezialisten antun. Wer einfach nur mal herausragende Produktionen sehen will, ohne dafür durch die ganze Republik zu reisen, muss eine Auswahl treffen und das ist gar nicht so einfach. Da sind auf der einen Seite die großen freien Compagnien von Star-Choreographen wie das Ballet Of Difference von Richard Siegal aus München / Köln, die Sasha Waltz Compagnie aus Berlin, oder Boris Charmatz‘ Musée de la danse. Der Altmeister des zeitgenössischen Balletts, William Forsythe, ist ebenfalls vertreten. Er entwickelte für die Gruppe Dance On Ensemble die Choreographie „Catalogue (First Edition)“, in der es um die besondere Erfahrung, Schönheit und Bühnenpräsenz zweier älterer Tänzer geht.

Eine Generation jünger, aber ebenfalls längst eine feste Größe in der internationalen Tanzszene ist Xavier Le Roy, der in einem der spektakulärsten Aufführungsorte des Festivals, dem SANAA-Gebäude, seine Arbeit „Temorary Titel“ zeigt, die der Besucher je nach Lust betreten und verlassen kann. Einen Ausflug in die Geschichte des modernen Tanzes unternimmt Eszter Salamon in „Monument 0.5“. Gemeinsam mit Boglàrka Börcsök nähert sie sich einer der schillerndsten Persönlichkeiten des Genres: Valeska Gert. Die exzentrische Tänzerin, Sängerin und Vokalartistin war ein Star im Berlin der 20er, entdeckte nach dem Zweiten Weltkrieg Klaus Kinski und spielte selbst in Filmen von Federico Fellini, Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff.Wer von Tanz und Performance eher die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen erwartet, wird bei Julian Warner / Oliver Zahn / Hauptaktion und ihrer Produktion „Situation mit Doppelgänger“, die sich mit kultureller Aneignung auseinandersetzt, Clair Cunnighams und Jessy Curtis „The Way You Look (At Me) Tonight“ oder „Princess“ von Eisa Jocson über Disneys Schneewittchen fündig.

Tanzplattform2018, 14.-18.3., Essen und Gelsenkirchen