Musik mit Humor: Frühling, Sommer, Herbst und Günther

Dichter und Musikkabarettist: Marco Tschirpke | Foto: marco-tschirpke.de

Er sinniert in knappen, pointierten Versen über das Leben und begleitet sich selbst dazu am Klavier: „Lapsuslieder“ nennt Marco Tschirpke seine hintergründigen Mini-Kompositionen. Mit seinem aktuellen Programm „Frühling, Sommer, Herbst und Günther“ gastiert er nun in Düsseldorf.

Wenn es ein Lyrikband auf die Spiegel-Bestsellerliste schafft, ist der Autor entweder ein Genie oder es handelt sich um ein Versehen. Im Fall von Marco Tschirpke trifft beides zu. „Frühling, Sommer, Herbst und Günther“, 2015 bei Ullstein erschienen, versammelt sehr gute, teils sehr komische Gedichte. Was also tut der Verlag? Er verpasst dem Druckerzeugnis ein poppiges Cover und der Buchhandel sortiert es nicht bei Lyrik ein, sondern unter Humor – Faktoren, die die Charts-Platzierung sicherlich beflügelt haben. Welche im Übrigen absolut verdient war.
Marco Tschirpke, Dichter und Musikkabarettist, bespielt das von ihm selbst geschaffene Genre der „Lapsuslieder“: Extrem kurze Stücke, oft keine Minute lang, die unbedarft beginnen, um am Ende eine bizarre Wendung zu nehmen. Mehrfache Auszeichnungen hat der 42-Jährige schon erhalten, zuletzt den Deutschen Kleinkunstpreis 2018 in der Sparte Chanson/Lied/Musik. Begründung der Jury: Tschirpke sei ein Musikpoet, „der sein Publikum mit raffiniert vertonten Texten fasziniert“.
Lyrik live, von und mit Marco Tschirpke, gibt es am 19. März in Düsseldorf zu erleben, wenn der gebürtige Brandenburger und Wahl-Berliner im Takelgarn Theater Station macht. Zum musikalischen Vortrag kommt sein oben genanntes Werk, aber vermutlich nicht nur, denn vor kurzem hat er, ebenfalls bei Ullstein, sein neues Buch veröffentlicht: „Empirisch belegte Brötchen“.
Inhaltlich bedient der Künstler ein breites Terrain, von der Tierwelt über Kunst und Geschichte bis zu Alltagsbeobachtungen. Und natürlich liefert es Stoff, wenn man zuhause zwei kleine Kinder hat. So wird auch die Frage beantwortet, was zu tun ist, wenn das Kind einen Radiergummi verschluckt hat: „Beim ersten hastet man sofort / zur Notfallambulanz im Ort. / Beim zweiten wartet man den Tag / mal ab, was so im Töpfchen lag. / Beim dritten sagt man: ‚So mein Held, / den zieh ich ab vom Taschengeld!‘“

19.3. Takelgarn Theater, Düsseldorf