Duisburger Akzente: Mit Kunst Frieden schaffen

Theatertreffen zeigt "Im Westen nichts Neues" | Foto: Duisburger Akzente

Man kämpft in vorderster Reihe, gerät zwischen die Fronten oder schlägt den Gegner mit den eigenen Waffen. Die Rhetorik von Kampf und Niederlage ist längst Alltagssprache geworden. Mit der Leitfrage „Nie wieder Krieg?“ verweisen die 39. Duisburger Akzente auf das Ende des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren. In Literatur, Theater und bildender Kunst beleuchtet das Festival die Mechanismen von Macht und Gewalt.

Kein plakatives Schlachten

Das Theater Duisburg startet mit „Im Westen nichts Neues“, dem wohl bekanntesten Antikriegsroman von 1928 über die Grausamkeiten des Ersten Weltkrieges. Die Fassung des Staatstheaters Hannover verzichtet auf plakatives Schlachten zugunsten eines emotionalen Kammerspiels. Den ultimativen Rosenkrieg gibt es zwischen der Marquise de Merteuil und ihrem Ex-Geliebten Valmont in „Quartett“ zu sehen, Heiner Müllers sprachgewaltigem Geschlechterkampf. Mit Verweis auf De Laclos‘ „Gefährliche Liebschaften“ umkreist Regisseur Frank Siebenschuh die explosive Liebesbeziehung. Mit einer Inszenierung von „Die Perser“ des Wiener Burgtheaters geht es historisch weit zurück. Aischylos verarbeitete darin bereits 472 v. Ch. die Seelschlacht von Salamis. Regisseur Michael Thalheimer übersetzt die Tragödie in packende Bilder. Im Ringen mit dem Bösen darf Shakespeare nicht fehlen: Thalia-Schauspieler Jörg Pohl gibt „Richard III.“ und mordet sich durch das Ensemble. In die Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord lädt das 60-köpfige Klangkraft-Orchester zur szenisch-musikalischen Collage „2018. The world dies screaming“. Unterstützt von drei Schauspielern vertont das ambitionierte Duisburger Laienorchester den Klimawandel und dessen gewaltsame Folgen.

Krieg in der Kulturkirche

Die Liebfrauenkirche im Zentrum von Duisburg ist ein spannender Veranstaltungsort. Lesungen wie „Der Zwang“ nach einer Novelle von Stefan Zweig oder das Stuffed Puppet Theatre locken in die Kulturkirche. Neville Tranters „Babylon“ beginnt an einem einsamen Strand in Nordafrika und entwickelt sich zu einem Puppenspiel-Drama über Leben und Tod. Nach Afghanistan reist er als Nigel mit einer kleinen Schar von Handpuppen („Punch & Judy in Afghanistan“), um dort die alliierten Truppen zu bespaßen. Doch plötzlich ist sein Begleiter weg...Aus Israel kommt Ariel Doron mit seinem Anti-Kriegs-Objekttheater „Plastic Heroes“, in dem Spielzeugsoldaten und ein Plüschtiger die Hauptrollen übernehmen. Denn längst ist die Gewalt von der Straße ins Kinderzimmer eingedrungen. Der weltweit gefragte israelische Künstler hat eine einzigartige und provokante Ausdrucksform erfunden. Auf die „Suche nach dem Code der Bösartigkeit“ macht sich der Duisburger Allround-Künstler Max Bilitza in der multimedialen Tanzperformance „Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot“. Ausgestattet mit Bewegungssensoren, Tastenfeldern und Controllern erforschen seine drei Tänzer die Verhaltensmuster des Menschen in einem digitalen Bühnenraum. Eine andere Videoinstallation wird täglich mit Einbruch der Dunkelheit am König-Heinrich-Platz sichtbar: „Raster“ von Kai Fobbe. Er filmte die Zeichensprache von Tänzern an je hundert Orten in einer Stadt. Am 15.3. zeigt sich der Nachwuchs im Rahmen der Jungen Akzente und die Kulturkirche ist zentraler Aktionsort für den Tag der Schul- und Jugendkultur.

Notfall proben

Multitalent Rebecca Horn in der Retrospektive: Film, Performance, Skulptur, Zeichnung, Installation – das Lehmbruck Museum zeigt alles. In den 60ern wurde die Künstlerin als Teil der Fluxus-Szene in New Yorker Fabrik-Etagen gesichtet, mehrfach stellte sie ihre Kunst auf der Kasseler Documenta aus. Als Wilhelm-Lehmbruck-Preisträgerin für ihr Lebenswerk ist sie ein wichtiger Teil der Kunst-Akzente. Horn zeigt erstmalig ihre „Hauchkörper“ als beruhigendes Friedensangebot. Andere Künstler gehen direkter mit dem Festivalthema um: Die Kriegsfotografien von Alex Kempkens sind schonungslose Zeugen von Zerstörung. Eine von zwei bewegenden Ausstellungen, die in „Dat Atelljee“ im Stadtteil Rheinhausen zu finden sind. Gegensätze von Licht und Schatten verdeutlicht die Klang-Performance „Liebe & Hass“ von Kornelia Kerth-Jahn im Kultur- und Stadthistorischen Museum. Und dann gibt es noch das Bürgerexperiment „Wir proben den Notfall“: 14 Tage lang wird in einer improvisierten Küche in einem Ladenlokal (Friedrich-Wilhelm-Straße), jeweils eine Notration gekocht. Rezepte können dort eingereicht werden. Ariane Schön

„39. Duisburger Akzente“, 3.-18.3., verschiedene Orte, Duisburg