Die Zauberflöte: Disneyland im Opernhaus

Morgan Moody (Papageno), KS Hannes Brock (Monostatos), Ashley Thouret (Pamina) | Foto: Theater Dirtmund/ Fotografie Bjoern Hickmann

Bei der Zauberflöte klingelt es einem in den Ohren: Die Königin der Nacht singt darin die Arie unter den Opernarien. Dabei kann Mozarts Werk so viel mehr als nur Spitzentöne – besonders in der Inszenierung von Stefan Huber. Denn der Musical-Regisseur („Next to Normal“ und „Funny Girl“) bringt damit seine erste Oper auf die Bühne. Und die ist so schön bunt, dass sie ganz schön verstörend ist.

Passend zum märchenhaften Stück mit sehr kritischem Unterton verwandelt er die Dortmunder Oper in ein groteskes Disneyland, in dem die drei Damen als Arielle, Cinderella und Schneewittchen die Schlange bezwingen, Papageno im Donald-Kostüm seine Papagena sucht und Monostatos als diabolische Mickey Maus Pamina nachstellt. Aber von vorne: Prinz Tamino (Joshua Whitener) bricht auf der Flucht vor einer Riesenschlage im Reich der Königin der Nacht zusammen, wird von den drei Damen (Emily Newton, Ileana Mateescu und Almerija Delic) gerettet und von Papageno (Morgan Moody) gefunden. Auf Bitten der Königin der Nacht ( Marie Pierre Roy) machen sich Tamino und Papageno auf, ihre Tochter Pamina (Ashley Thouret) zu befreien. Ihr Entführer Sarastro (Karl-Keinz Lehner) und seine eingeschworene Gemeinschaft von Eingeweihten stellen die beiden Männer vor Prüfungen. Es ist seit jeher eine Oper, die zwischen Hochkultur und Volkstheater rangiert und in Dortmund mit voller Absicht zumindest optisch in den Kitsch rutscht. Eine mutige Entscheidung.

Angesiedelt hat Stefan Huber die Geschichte im Disney-Universum. Zum einen, weil der Konzern einfach Traumwelten samt veralteten Wertvorstellungen erzeugt, wie sie in der Zauberflöte thematisiert werden. Zum anderen aber auch, weil es Parallelen zum Konzern selbst gibt, der Macht und Einfluss ausübt und sogar eine eigene Philosophie kreiert, der sich die Mitarbeiter unbedingt anpassen müssen. Eine Welt, deren Buntheit nur Fassade ist, ähnlich Sarastros Tempel. Der von vorn ein Potpourri von Wahrzeichen unserer Zeit ist. Im Inneren aber zur reinen Holzfassade wird. Das Ergebnis des Ganzen kann man durchaus sehr mögen, wenn man auf der Suche nach einer kurzweiligen, tatsächlich vom Flair her etwas musicalhaften, Inszenierung des Stoffs ist. Dank Glitzer, starker Kulisse und schriller Kostüme vergehen die drei Stunden ziemlich entspannt. Fazit: Eigenwillig, aber sehenswert.