Tanzfestival Temps d’Images: Irgendwas mit Medien

Tanzende Hände beim Temps d’Images-Festival 2017 | Foto: Julien Lambert

Technisierung und Digitalisierung haben unser Leben fest im Griff. Was bedeutet das für die darstellenden Künste? Dieser Frage widmet sich das Festival Temps d’Images mit progressiven Kunstformen an der Schnittstelle von Tanz, Performance, Theater, Film und neuen Technologien.

Der Jahresbeginn ist immer die „Zeit der Bilder“ im tanzhaus nrw, und diese Bilder brechen mit den üblichen Seh- und Hörgewohnheiten. Klassisches steht Experimentellem gegenüber, der Körper dem Avatar, der Film der virtuellen Realität. Vom 6. bis 15. Januar sind zum zwölften Mal avantgardistische Formate zu sehen, bei denen oft auch die Zuschauer zu Akteuren werden.

Das Leben feiern

Den Auftakt machen Michèle Anne De Mey, Jaco Van Dormael und das Collectif Kiss & Cry: Sie drehen vor den Augen des Publikums einen Film. Hauptfiguren von „Cold Blood“ sind tanzende Hände vor Miniaturkulissen: sieben Geschichten entwickeln sich, die allesamt tödlich enden und doch das Leben feiern. Auf dem Film Noir „D.O.A.“ aus den 50ern basiert das Stück „Motion Picture“ der australischen Tanzkompanie Lucy Guerin Inc. Während der Film im Rücken des Publikums läuft, bringen die sechs Tänzer seine Elemente als Performance auf die Bühne.

„Visual Music“

„For iTernity“ heißt die begehbare Videoinstallation von Katja Heitmann, deren Thema die Unsterblichkeit ist, die wir durch unsere Spuren im Internet erlangen. Um sie sichtbar zu machen, bedarf es allerdings eines Mediums – die Zuschauer übernehmen hier die Rolle des Bildschirms. Zu Protagonisten werden sie auch in „Whist“ von AOE (Aoi Nakamura, Esteban Fourmi), das ansonsten gänzlich ohne Darsteller auskommt. Ausgestattet mit 360-Grad-Videobrille und Headset wandelt man zwischen Realität und Fiktion mit der Option, das Geschehen aktiv zu beeinflussen. Neben zwei weiteren Produktionen zeigen Studierende des Instituts für Musik und Medien der Robert-Schumann-Hochschule ihre Arbeiten. „Visual Music“ ist die Klammer für die Klang- und Rauminstallationen „Zwischenraum“ (Rebecca Himmerich) und „Quad2“ (Lucas Grey). Und dann ist da noch ein Konzert: sine sleeper musizieren elektronisch, wozu das Düsseldorfer Kollektiv Warped Type aus dem Stegreif die synchrone Lichtskulptur liefert.