Michael Mittermeier im Interview: Wild muss man sein!

Wilder Mittermeier | Foto: Manfred Baumann

Wild, wilder, Mittermeier! Im Januar kommt Michael Mittermeier nach Oberhausen und Hagen. Er will beweisen, wie eingeengt der Mensch lebt. Laura Neugebauer hat mit ihm über Unpünktlichkeit, die Wildheit des Menschen und natürlich die berühmten Arschlochkinder gesprochen.

Dein Buch „Die Welt für Anfänger“ startet mit deiner Unpünktlichkeit, bist du es tatsächlich?

Ja! Ich rufe pünktlich an, um Bescheid zu sagen, dass ich unpünktlich bin. Das ist ein Fortschritt. Ich kann versuchen, um 13 Uhr da zu sein und es wird 13.20 Uhr. Da ist so ein Wesen in mir, das sträubt sich. Ich würde auch lieber mit Leuten saufen gehen, die fünf Minuten zu spät sind, als mit Leuten die immer fünf Minuten zu früh sind.

Generell rufst du in deinem Bühnenprogramm „Wild“ zum Wildsein auf. Sind wir heute zu brav?

In manchen Bereichen versuchen wir uns zu zähmen wie Pferdchen. Wir versuchen, politisch korrekt zu sein. Auch ich stehe da und zähme mich. Eigentlich ist es okay, wild zu sein. Um es mal anders zu sagen: Solange man keinem anderen damit wehtut, darf man seine Vorlieben doch ausleben.

Das heißt, solange man niemanden verletzt, darf man alles sagen?

Natürlich gibt es irgendwo eine Grenze. Ich verletze auch Menschen, sonst würde ich nicht beschimpft werden. Ich brauche nur einen Spruch bei Facebook über die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zu posten und werde als „Systemhure“ oder „Opfer der Kanzlerdiktatur“ beschimpft. Allein für den Begriff „Kanzlerdiktatur“ müsste man nach Nordkorea ausgewiesen werden.

Gibt es für dich Themen, über die man nicht lachen sollte?

Erst mal gibt es gar keine Tabuthemen. Viele Comedians weltweit machen aus solchen Themen Entertainment. Ich versuch es auch mal mit spitz und politisch, aber es muss immer unterhaltsam sein. Der Humor verändert schon. Wenn die Leute darüber lachen, ist es bereits kein Tabu mehr. Worüber ich allerdings nicht lachen kann, sind schlechte Witze.

Anderes Thema: Immer wieder regst du dich in deinen Programmen über sogenannte „Arschlochkinder“ auf. Was tust du, damit dein Kind kein Arschlochkind wird?

Das Kind einfach ernst nehmen. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Zu spüren, was braucht das Kind. Natürlich brauchen Kinder Grenzen. Ohne Grenzen sind Kinder die größten Anarchisten.

Sind Kinder demnach wilder als Erwachsene?

Natürlich! Die sind ja noch grundwild. Wir denken über politische Korrektheit nach, wo Kinder einfach platt und direkt sind. Ich hab mal vor ein paar hundert Kindern gespielt als Vor-Act für eine Band und ich war zu spät und wurde ausgebuht. Das war schon schräg. Die sind so fucking ehrlich! Ich musste das natürlich drehen. Ich hab die dann gegen ihre Eltern eingespielt und ja, das war arschlochmäßig, aber auch sehr komisch.

Warst du denn früher ein Arschlochkind?

Nein! Arschlochkinder werden meistens nicht besser. Wenn Arschlochkinder Macht bekommen, sind es halt mächtige Arschlochkinder. Ich glaube auch, dass Trump nicht erst jetzt so geworden ist, wie er ist. Das war schon in ihm drin, als kleiner Bub. Und ich glaube auch nicht, dass du mit Kim Jong-un oder Donald Trump gerne im Kindergarten gespielt hättest, oder?