Kris Martin: Erfahrungen der Endlichkeit

| Bee, 2009 (Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf; Courtesy Sies + Höke, Düsseldorf)

Kris Martin wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Und wer sich bis dahin nicht mit der Endlichkeit des Seins konfrontiert hat, der tut es vermutlich in der Dekade zwischen 40 und 50. Längst dahin ist die sorgenfreie Leichtigkeit der Jugend. Die Eltern werden gebrechlich, vielleicht gar pflegebedürftig und auch der eigene Körper will nicht mehr so, wie er soll. All das findet sich in Martins Werk wieder. Die Arbeiten des Belgiers vermitteln intensive Erfahrungen der Endlichkeit und des Vorübergehens, von Leben und Tod. Das Kunstmuseum in Bonn hat sie zu einer Schau gebündelt.

Die Exponate kommen zunächst einmal vielgestaltig daher: In Installationen, Skulpturen, Fotografie, Zeichnung, Schrift oder Klang diskutiert der Künstler die Gegenwart der Zeit, die Macht von Vorstellung und Erinnerung, die Schönheit und ihre Schrecken. Zudem fragt Martin nach den Möglichkeiten von Spiritualität, Ewigkeit, Religion und Gott. Was sich in der Theorie wie ein reiner Runterzieher anhört, wirkt in der Praxis auch jenseits der Melancholie, lässt Martin doch seinen skeptischen Humor oft mit in die Werke einfließen. Eine Arbeit, die vielen Düsseldorfer Kunstfreunden noch in Erinnerung sein dürfte, war zur Wiedereröffnung des K20 am Grabbeplatz zu sehen: Ein waagerecht gelagerter Heißluftballon, den die Besucher begehen konnten. Von diesem Beispiel einmal abgesehen entstehen Martins Werke häufig aus gefundenen Dingen, die ihre eigenen Geschichten bereits mitbringen. Der Künstler lässt aber andererseits auch Objekte aufwändig herstellen.

Eine seiner zentralen Arbeitsweisen ist es dabei, Dinge nicht nur aus ihrem ursprünglichen Kontext zu isolieren, sondern aus ihnen wesentliche Informationen so zu entfernen, dass das scheinbar Vertraute unlesbar wird. Die Wirkung ist eine doppelte: Der Betrachter wird zunächst einmal irritiert, dann aber motiviert, die Leerstellen mit eigenen Erfahrungen zu füllen.

AW

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