Time to close your eyes im Schauspielhaus Bochum

SLIXS | Foto: Veranstalter

Olaf Kröck ist sicher nicht der einzige, der sich an einer berühmten Zeile aus dem Schlaflied „Guten Abend, gut’ Nacht“ gestoßen hat: „Morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder geweckt.“ „Was“, mag man denken und im Liedfluss stoppen, „was, wenn nicht?“ Niemand weiß, was dann ist, wie das ist, wo das ist, wenn man tot ist. Und kaum jemand beschäftigt sich gern mit dem Gedanken daran. Der aktuelle Ein-Jahres-Intendant des Schauspielhauses Bochum, der nächstes Jahr neuer Leiter der Ruhrfestspiele wird, hat jedoch den Mut aufgebracht und einen wunderbaren spielerischen Theaterabend zum Thema inszeniert: „Time to close your eyes“.

Das Wunderbare an diesem Abend ist, dass er ein schweres Thema leicht macht – und man ihm anmerkt, dass dieser Geist auch die Probenarbeiten durchweht haben muss. Die Anfangsszene, in der Roland Riebeling die Zuschauer und Ensemble-Kollegen ins Bett schickt: „So, jetzt ist aber langsam gut, ihr Racker“, ist offensichtlich aus einer Improvisation entstanden. Genau wie viele folgende Parts, in denen zum Beispiel Juliane Fisch ihre liebste Schlafposition erklärt, Lisa Jopt völlig entfesselt nackt herum springt, oder Martin Weigel eine wissenschaftliche Theorie des Schlafs erläutert, der aus 90-Minuten-Zyklen besteht.

Die Nähe von Schlaf und Tod, über die die Menschen schon seit der Antike nachdenken, agieren die Schauspieler zusammen mit Tänzern und dem fantastischen Vokal-Ensemble SLIXS aus. Am Anfang trennt noch ein Gaze-Vorgang das gelungene Bühnenbild von Angela Weyer: vorn ist das Leben, dahinter die unscharfe, rätselhafte, unbekannte Welt der Träume und des Todes. Organisch wie sie Szenen wechseln auch die Bilder. Als ob sie mehrere Anläufe brauchten, um den Mut aufzubringen, wagen die Schauspieler sich immer näher an das Thema Tod. Roland Riebeling erzählt etwa sehr komisch von fiktiven und realen Bühnentoden. Später bauen alle mit an einem Wald aus Birkenstämmen, in dem sie dann von Kuschel-Monstern verfolgt umherirren.

Und wenn die beglückten Zuschauer viel gelacht, nachgedacht, in Erinnerungen gekramt, mitgefühlt und vielleicht auch geweint haben, stellen die Darsteller einen gewaltigen Text aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung in den Raum, der irgendwo zwischen Journalismus, Literatur und Wissenschaft äußerst berührend ein detailliertes Bild vom letzten Weg jedes Menschen zeichnet. Ja, dieser Text gehört auf die Bühne, da hatte Olaf Kröck den richtigen Riecher. Dieser Abend ist ein Muss.