Lesen bildet: Düsseldorfer Literaturtage 2018

Wladimir Kaminer | Foto: Jan Kopetzky

Leseratten verordnen sich in den ersten zwei Juniwochen Urlaubssperre: Die Düsseldorfer Literaturtage und der Bücherbummel auf der Kö sind Pflichttermine im Jahreskalender. Mit einem abwechslungsreichen Programm für alle Generationen wird das geschriebene Wort gefeiert.

Zu seiner 32. Auflage hat der Bücherbummel einen Rekord zu vermelden: Erstmals ist es gelungen, den Anteil des Buchhandels zu erhöhen – auf zehn Stände. Das klingt wenig, ist aber eine kleine Sensation in Zeiten, in denen die Branche vehement zu kämpfen hat. Vom 7. bis 10. Juni präsentieren sich auf der Kö darüber hinaus Antiquariate, Verlage, Kunst- und Kulturinstitutionen. Zahlreiche Aktionen, Lesungen und Konzerte sowie ein wertiges gastronomisches Angebot flankieren das Stöbern in Deutschlands größter Open-Air-Buchhandlung.

Eine feste Größe ist das Lesezelt, das im Wesentlichen vom zakk bespielt wird. Autoren, Poetry Slammer, Schauspieler und Musiker geben Kostproben ihres Schaffens – bei schönem Wetter direkt auf der Kö. So kann man z. B. Edy Edwards‘ Folk ‘n‘ Roll lauschen (7.6.) oder sich mit Slampoet und Conférencier Markim Pause amüsieren (10.6.). Im Kinderlesezelt wird der Nachwuchs spielerisch an das Abenteuer Lesen herangeführt: Vorlesepaten tragen Geschichten vor, es gibt Theater und eine Fußballparty.

Eingerahmt wird der Bücherbummel von den Düsseldorfer Literaturtagen, die sich wie immer auf Heinrich Heine berufen. „Revolution“ lautet das diesjährige Motto, ein Thema, das in Heines Werk eine zentrale Rolle spielt. Zwischen dem 4. und 17. Juni finden 32 Veranstaltungen an verschiedenen Orten statt. In Lesungen, Diskussionen und anderen Formaten nehmen Kulturschaffende den Revolutionsbegriff unter die Lupe. Einen Schwerpunkt bildet die 68er-Bewegung. So liest am 13. Juni Gretchen Dutschke aus ihrer Biografie „1968 – Worauf wir stolz sein dürfen“. Jess Jochimsen erinnert sich an seine Kindheit als Sohn unkonventioneller Eltern („Mama und Papa hatte ich nicht, ich musste Renate und Eberhard sagen“, 15.6.), Theresa Enzensberger untersucht in „Blaupause“ die umstürzlerische Architektur des Bauhauses (13.6.) und Wladimir Kaminer liest im zakk – natürlich mit anschließender Russendisko (16.6.).