Wildes Huhn: Bilder von Cornelia Funke

Mick und Mo im Wilden Westen | Cornelia Funke/Oetinger Verlag GmbH, Hamburg

Die meisten berühmten Künstler behaupten ja von sich, schon als Kind die Berufung in sich gespürt zu haben. Nicht so die kleine Cornelia Funke aus Dorsten. Die wollte erst Astronautin werden, dann Pilotin, dann Indianerin. Wurde aber nach dem Abi dann doch Diplom-Pädagogin. Flausen hatte sie damals immer noch im Kopf und studierte nebenbei Buchillustration und merkte schon bald, dass sie am liebsten eigene Geschichten schreibt und diese dann bebildert.

Der Rest ist Geschichte: Cornelia Funke ist spätestens seit der Tintenwelt-Trilogie die bekannteste deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin, lebt längst nicht mehr in Dorsten, sondern in Los Angeles und blickt auf ein Werk mit einer Gesamtauflage von zwanzig Millionen Büchern, übersetzt in 37 Sprachen. Die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zeigt ab dem 20. Januar ihre fantastischen Bildwelten von den frühen Kinderbüchern bis „Reckless“, dem jüngsten Roman.

Cornelia Funke kann also nicht nur mit Worten, sondern auch mit dem Zeichenstift fesselnde Geschichten erzählen, Bilder entstehen schließlich erst einmal im Kopf. Ihre ersten eigenen Geschichten wie zum Beispiel „Kein Keks für Kobolde“ schrieb die heute 54-Jährige Ende der 80er Jahre. Beliebt wurde sie durch Serien wie „Gespensterjäger“ oder natürlich „Die wilden Hühner“, international bekannt mit „Der Herr der Diebe“ und ihrer Tintenwelt. „Reckless“, von dem im September der zweite Band erschien, wird bereits als Theaterstück in Dresden aufgeführt.

Die frühen Illustrationen von Cornelia Funke sind meist stark farbig und figurenreich ausgestattet. Nach und nach änderte sich ihr Stil, in späteren Büchern beschränkt sie sich häufig auf feine schwarze Tusche- oder Kreide- bzw. Grafitzeichnungen zu Beginn eines Kapitels. Rund 200 Zeichnungen zeigen ihre zeichnerische Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart, wobei in letzter Zeit auf jeden Fall die schriftstellerische gegenüber der zeichnerischen Arbeit mehr Platz einnimmt.

Wie das LehmbruckMuseum setzt auch die Ludwiggalerie auf ein umfassendes Begleitprogramm. Auf dem Zettel stehen Themenführungen für Erwachsene und Kinder sowie Kunstlabore in Buchillustration und Buchbinderei. Originell: das Projekt „Schüler führen Schüler“, bei dem Schüler des Elsa-Brändström-Gymnasiums zu Funke-Experten ausgebildet werden und Schulklassen durch die Ausstellung führen.

Cornelia Funke: Tintenherz, Wilde Hühner und Gespensterjäger, 20.1.–20.5., Ludwiggalerie, Konrad-Adenauer-Allee 46, Oberhausen; Di–So 11–18 h

ludwiggalerie.de