Pornoladen: Nach dem Fußball kommt der Sex

Marc-Oliver Krampe: Unterwegs im Pornoladen | Foto: Sabrina Weniger

Pornoladen“ heißt das Projekt, das Marc-Oliver Krampe gerade am Grillo-Theater erarbeitet. Der Untertitel setzt noch einen drauf: „Aus dem Unterleib der Stadt“. Sex sells? Provokation um jeden Preis? Was steckt dahinter?

Strohblonde, leicht verwuschelte Haare und ein Lächeln, das den 42-jährigen Dramaturgen zum Traumschwiegersohn macht – jemanden, der sich im Rotlichtmilieu rumtreibt, stellt man sich anders vor. „Der Luxus meiner Arbeit am Theater ist, dass ich Einblicke in Bereiche bekomme, die nicht so ohne weiteres zugänglich sind“, erzählt Marc-Oliver Krampe. So wie bei den Geschlechterrollen im Fußball, mit denen sich sein Stück „Balls – Fußball ist unser Leben!“ befasste. „Von Fußball hatte ich auch keine Ahnung. Aber so viele Menschen sind Fans, da wollte ich einfach wissen, was diese Menschen antreibt. Genauso ist es jetzt, wenn ich mich mit dem Rotlichtmilieu beschäftige. Ich bin zuallererst wahnsinnig neugierig.“

Wer jetzt an Sozialstudien denkt, liegt gar nicht so falsch: Tatsächlich studierte Krampe Sozialpädagogik, bevor er ans Theater wechselte. „Solche Bürgerprojekte sind für mich eine ideale Möglichkeit, beides zu verbinden“, gesteht er, schiebt aber sofort nach: „Natürlich geht es darum, was der Zuschauer auf der Bühne zu sehen bekommt, und das darf nicht nur guter Wille, sondern muss eine richtige Inszenierung sein.“ Davor kommt die Recherche. In Form von zwei beängstigend dicken Bänden liegt sie auf dem Tisch. 15 Interviews hat Krampe bisher geführt, mit Prostituierten und Strichern, mit Pärchen aus der Swingerszene, Pornodarstellern und -konsumenten. Sogar ein Praktikum als Streetworker auf dem Essener Schwulenstrich gehörte zu seinen Vorarbeiten.

Woher kommt denn aber jetzt das Interesse am vermeintlichen Schmuddelmilieu? „Als ich studierte, stieg ich immer am Bremer Hauptbahnhof um, und da gab es einen Pornovideo-Laden. Irgendwann bin ich mal reingegangen und war fasziniert von der Atmosphäre“, erinnert sich Krampe, der noch dringend weibliche Prostituierte zum Mitspielen sucht.

Ende Februar beginnen die Proben, dann muss aus Interviews und Fremdtexten ein Stück vorliegen und mit Laien und Profidarstellern eine Inszenierung erarbeitet werden. Dabei sollen die Schauspieler die Rolle der Sexarbeiter übernehmen, während die Laien eher als Privatpersonen wahrzunehmen sind. Und wo ist da die Provokation? „Ich will niemanden provozieren“, sagt Krampe überrascht, „ich weiß ja nicht einmal, was überhaupt noch provozieren könnte.“