„Party für eine Leiche“ in Castrop-Rauxel: Leichenschmaus mit Showdown

Party für eine Leiche | Foto: Volker Beushausen

Die Sachlage ist von Anfang an klar: Es gibt einen Toten namens David, und als Mörder outen sich dessen Kommilitonen Wyndham Brandon und Charles Granillo. Der Leichnam ist in einer Kiste versteckt, und das schwule Studentenpärchen genehmigt sich zunächst mal ein Gläschen Perlwein auf ihre Tat. Der Mord als Kunstwerk wird zelebriert, das Motiv bleibt unklar. Roni Merza und Bülent Özdil in den beiden Rollen, geben zur Feier des Tages eine Party. Alle ahnungslosen Gäste kommen bis auf einen: David.

So plätschert die erste Hälfte der Inszenierung von Markus Kopf ein wenig vor sich hin, bis die Handlung eine fast überrumpelnde Dramatik entwickelt. Ausgelöst durch die perfiden Mordtheorien des zur Party geladenen Hochschullehrers Rupert Cadell eröffnet sich eine philosophische Denkwelt über den Wert des einzelnen Menschlebens. Ideen wie die Einteilung in höhere und niedere Wesen und der Mord als Privileg für die Überlegenen faszinieren Brandon ganz besonders. Und Guido Thurks zynischer Intellektueller Cadell erscheint zunächst als geistiger Anstifter des Mordes. Allerdings macht er einen Unterschied zwischen dem bloßen Gedanken und dessen Ausführung in der Realität. Und so kommt der Lehrer den beiden Studenten auf die Schliche, eine Prügelei um eine Waffe leitet den Showdown ein. Und mittendrin steht die unauffällige Leichenkiste in dem zweckdienlichen Bühnenbild von Jeremias Vondrlik mit Großstadt-Panorama.

Der Tote ist stiller Zeuge seines eigenen Leichenschmauses, seine Kiste dient auch als Partybuffet. Das morbide Kammerspiel von Patrick Hamilton ist allseits bekannt, denn Alfred Hitchcock hat mit „Cocktail für eine Leiche“ bereits in den 50er Jahren einen Krimiklassiker aus der Vorlage gemacht. Bühneninszenierungen können sich selten gegen so große Filmbilder durchsetzen, was bleibt ist ein gewisser Unterhaltungswert.