Hinter der V.ierten Wand

| Foto: Jerun Vahle

Wirres Textgeschwurbel in der Ankündigung von „Einsatz hinter der V.ierten Wand“ – das schreckt erst mal ab. Dabei haben „copy & waste“ gerade beim „Favoriten“-Festival gezeigt, dass ihre Produktionen auf der Bühne richtig Spaß machen können. Jetzt wird die Berliner Gruppe ab Januar für zwei Jahre mit dem Mülheimer Ringlokschuppen zusammenarbeiten.

Schon wieder Berliner, die uns im Ruhrgebiet zeigen, wie es geht? Nicht ganz. Jörg Albrecht, Autor und Kopf des Theater-Kollektivs, wuchs in Dortmund auf und studierte in Bochum, bevor er in die Hauptstadt ging. Der 31-Jährige kennt genauso die Innen- wie die Außenperspektive des Ruhrgebiets. Beste Voraussetzungen, um in seiner Produktion am Ringlokschuppen einen unverstellten und liebevoll-kritischen Blick auf das Revier zu werfen. Denn genau darum geht es in „Einsatz hinter der V.ierten Wand“. Um die Entwicklung des urbanen Raumes, das Aufhübschen der Städte, um sich Investoren anzubiedern, die hemmungslose Selbstvermarktung der Kommunen und die Frage, wem die Stadt eigentlich gehört. Aber es geht auch um den Roman „V“ von Thomas Pynchon. Jetzt wird auch klar, warum die Ankündigung der Produktion so wirr geraten ist. Bei Pynchon – jenem Autor, der wohl nie den Literaturnobelpreis bekommen wird, weil niemand wirklich weiß, ob er existiert – geht es auch nicht ohne ein gutes Maß an Verwirrung ab: Paranoia, abstruse historische Fakten, Drogen, theoretische Physik und Verschwörungsfantasien gehen in seinen Romanen eine höchst amüsante aber vor allem schwindelerregende Verbindung ein.

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Und dann setzen „copy & waste“ noch einen drauf und fragen sich, was es denn eigentlich mit dieser „vierten Wand“, die immer durch die Theaterästhetik geistert, auf sich hat. Gibt es sie, oder gibt es sie nicht? Sind die Zuschauer diese Wand? Können die Schauspieler dagegen anrennen, oder fallen sie dann ins Leere?

Ein theatertheoretischer Diskurs wird jedoch nicht dabei herauskommen. Das Stück, das gerade im Ringlokschuppen geprobt wird, kombiniert vielmehr halsbrecherische Textakrobatik mit Slapstick, greift Alltagsdiskurse auf und kombiniert Philosophie mit Comic zu einem rasanten und oft einfach saukomischen Theaterabend. Für Experten: Bei „Einsatz hinter der V.ierten Wand“ trifft René Pollesch auf Herbert Fritsch – und eine Gruppe Flamingos.

ringlokschuppen.de