"Die Macht der Finsternis" in Düsseldorf

Die Macht der Finsternis | Foto: Sebastian Hoppe

Grelles Treiben

Regisseur Sebastian Baumgarten, der auch schon mit Bulgakows „Der Meister und Margarita“ und „Sojas Wohnung“ Vorlagen russischer Schriftsteller für das Düsseldorfer Schauspielhaus inszenierte, bringt mit „Die Macht der Finsternis“ Leo Tolstois 1886 veröffentlichtes Drama in fünf Akten auf die Bühne.

Das Bühnenbild (Thilo Reuther) wirkt brachial und spannend. Ein riesiger Kirchenmann umrahmt mit weit ausgebreiteten Armen das Geschehen auf der mit Gerüsten, Rampen und Folien ausstaffierten Spielfläche. Die Projektion eines realen Gesichtes in dieses Kulissenstück hinein lässt den Priester mal salbungsvoll die Augen schließen, mal gnadenlos blickend das wilde Leben zu seinen Füßen beobachten. Und das geht es rund.

Der Bauer Pjotr (Michael Abendroth) ist dem Tode nah. Doch seiner Frau Anisja (Tanja Schleiff) kann dessen Ableben nicht schnell genug von statten gehen. Sie hilft der Angelegenheit nach. Denn längst schon treibt sie es mit dem Knecht Nikita (Till Wonka), der wiederum auch von Akulina (Betty Freudenberg), Pjotrs Tochter aus erster Ehe, die Finger nicht lassen kann. Süßliche Musik besäuselt anfangs die Szenerie, in der die vor dem kommenden Reichtum noch so überaus Behaarten in interessanten Kostümierungen von Joki Tewes und Jana Findeklee agieren. Als auf dem kargen Acker Öl entdeckt wird und der Wohlstand ausbricht, treibt es die illustre Gesellschaft nur noch weiter in den moralischen Untergang. Wie in der russischen Literatur vergangener Jahrhunderte üblich, ist das Stück mit zahlreichen Charakteren belebt. Wer jedoch die typische Schwermut erwartet, wird mit grotesk überzogenen Figuren bedient, die sich tapfer durch die Anforderungen der Regie kämpfen.

Es ist gewiss ein gekonntes Stottern und Stammeln und durcheinander und dumm sein, das vom Ensemble abgeliefert wird. Doch es ist zu viel des Guten. Dieses Drama um Geld und Sex, Machtgier und Mord, um Schuld und Sühne, Verdrängung und Glaube trägt ein zu schrilles, zu überzogenes Gewand. Wahre Düsternis macht sich erst im letzten Drittel breit. Doch die Inszenierung nimmt den Zuschauer nicht mit. Auch der gewaltige Sound des slowenischen Kunstkollektivs Laibach fügt sich kaum in das Gesamtbild ein.