Der Möbel-Erfinder aus dem Ehrenfeld

Jiri Katter und sein Sidebow | Foto: Katter

Jiri Massimo René Katter ist eine lebende Geschäftsidee. Seit Jugendtagen hat er sich etwa alle fünf Jahre neu erfunden und auf die erstaunlichsten Arten Geld verdient. Mittlerweile scheint er jedoch angekommen: Seit zehn Jahren erfindet Katter Designer-Möbel wie den DJ-Tisch Setbase, den Stehtisch Sidebow oder den Hundenapf Dogbar. Von einem Hinterhof in Bochum-Ehrenfeld verkauft er sie in die ganze Welt.

Angefangen hat alles mit dem Wunsch, Roller zu fahren. Der heute 41-jährige Jiri M.R. Katter war 15, als er sich nach dem Zweirad sehnte. Weil nicht genug Geld da war, trug er einfach so lange Zeitungen aus, bis es reichte. Zwei Jahre später kam ihm die Idee, ein Magazin für Motorroller herauszubringen. Dass sich in kürzester Zeit vom naiven Fanzine zum erfolgreichen Qualitätsprodukt mit 50 000er Auflage mauserte. Nebenbei richtete er Veranstaltungen für Motorroller-Fans aus, die so groß wurden, dass sie die Messe Essen füllten.

Doch irgendwann erwachte der Drang, sich neu zu erfinden. „Ich habe immer wieder viel Geld verdient, aber auch immer viel wieder aufs Spiel gesetzt“, erzählt Katter. Nach dem Verkauf der Motorroller-Sparte wurde er Medienberater und schließlich Becher-Verleiher: „Anstatt Einwegbecher zu verwenden, bot ich Veranstaltern an, Kunststoffbecher von mir zu leihen, die nicht kaputt gehen“, erzählt er. Alles, was sie ihm zahlen mussten, waren drei Mark Pfand für die Becher, die geklaut wurden. „Von der Loveparade bis Peter Maffay – alle haben das System genutzt. Und das System kopiert.“

Eine Neuerfindung musste her. Wie so oft kam die aus einer privaten Erfahrung. Weil Jiri Katter Anfang des Jahrtausends den Club Zeit & Raum in der Bochumer Innenstadt betrieb, war er auf der Suche nach einem praktischen DJ-Pult, das wackel- und vibrationsfrei aufgestellt werden kann und das den Kabelsalat verbirgt. Der Setbase war geboren, schnell bei DJs im ganzen Land beliebt, und prompt landete es als Kaufempfehlung in der Vogue. „Hans Nieswandt hat das Setbase mit der Nummer 007 gekauft“, erinnert sich Jiri, „zuletzt hat es sich die TV Spielfilm für eine Relaunch-Party besorgt.“

Leider rufen derart erfolgreiche Produkte auch Neider auf den Plan. „Shit From China“ hat Katter auf ein Setbase geschrieben, dass eine chinesische Firma dreist kopiert hat. „Aber es wackelt, biegt sich durch, und die Kabelführungen sind an den falschen Stellen“, zeigt der Designer am Objekt, das in seiner voll gestellten Bochumer Lagerhalle steht. Sogar die Pressetexte zu seinen Möbelstücken übernehmen die Kopisten teilweise eins zu eins. Mut und Durchhaltevermögen muss man mitbringen, um juristisch gegen solche oft von großen Firmen hergestellten Plagiate vorzugehen. Katter tritt mittlerweile auch für die Organisation Plagiarius ein, die einen Award für die schlechteste Produkt-Kopie vergibt.

Trotz der Kräfte, die gegen die kleinen Designer arbeiten, bleibt Jiri M. R. Katter bei den Möbeln. „Ich habe keine Ausbildung zum Designer, nicht mal Schreiner gelernt“, sagt er. Er sei nur seiner Leidenschaft gefolgt, die ihn auch zum Sammler berühmter Design-Möbel gemacht hat. Wenn man ihn in seinem Büro besucht, dann sitzt man auf Airborne-Stühlen, die zur Ausstattung des berühmten Kubrick-Films „2001 – Odyssee im Weltraum“ gehörten. Katter stattet mit seiner Sammlung mittlerweile selbst Filme aus wie etwa „Hanna“ mit Cate Blanchett oder „Beate Uhse“ mit Franka Potente.

Und weil sein Möbelgeschäft mittlerweile so erfolgreich läuft, steht der Bochumer vor einer Professionalisierungsstufe. „Tausende Dogbars wurden hier zusammengeklebt und in die ganze Welt geliefert“, sagt er. „Es gibt Anfragen aus Europa, Russland, den USA, Australien.“ Sein Idealfall für die Zukunft sieht so aus, dass im Ehrenfeld gar kein Lager mehr ist. Nur eine große, offene Fläche für den Erfindergeist.