Buch "Sehr junge deutsche Literatur"

Raketentornister und Zahnputzperlen

Oft vergisst man, dass die besten Ideen ganz simpel sind. Das wird beim Lesen des Buches „Sehr junge deutsche Literatur“ (Gute Gesellschaft Verlag) offenbar. Die Autoren sind nicht jung, sondern sehr jung. Genauer gesagt zwischen neun und zwölf Jahren und Schüler der dritten und vierten Klassen zweier Düsseldorfer Grundschulen. In Schreib-AGs haben die Kinder kurze Essays, Aphorismen und Gedichte zu eigentlich hochkomplizierten Themen wie Wirtschaft, Politik und Soziales verfasst.

Ein Raketentornister, mit dem man in den Unterricht fliegt, Häuser, die Rutschen statt Treppen haben oder eine Zahnputzperle, die man wie ein Bonbon lutscht und die dabei wie von Zauberhand die Beißerchen reinigt – all das sind Überlegungen, welche sinnvollen Dinge die Wirtschaft erfinden sollte. Von diesen charmanten Vorschlägen gibt es zahlreiche in dem Büchlein mit dem grell rot-grünen Cover, doch es werden auch Fragen und Überlegungen angestellt, die regelrecht philosophisch sind. Die Frage nach Gut und Böse wird von Marc-Anthony Isbert folgendermaßen beantwortet: „Gut und Böse sind überhaupt keine Wörter, genau wie Schwarz und Weiß keine Farben sind. Das nennt man Philosophie.“ Und zum Thema „König von Deutschland“ fragt Leonard Drude seinen Leser: „Würden dir die Sorgen der Menschen etwas bedeuten? Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht? Würdest du der König sein, den sich die Menschen wünschen?“

Die Sammlung von Texten und Gedichten ist ein kurzweiliges Vergnügen. Die Gedanken und Ideen der kleinen Autoren sind fantasievoll, ein bisschen amüsant, aber keineswegs völlig belanglos. Vielmehr eröffnen sie eine neue Sichtweise auf politische Themen, die ganz unvoreingenommen und auf das Wesentliche reduziert ist.

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