Arne Nobel: Theaterpiraten bitten zum Lunch!

Arne Nobel

Ein Glück: Der Nobel ist zurück! Der frühere Gründer und Leiter des Bochumer Rottstr.5-Theaters, der zwischenzeitlich den hiesigen Ruhrpottgefilden Adieu gesagt und unter anderem als Ben Gunn beim Piratenfestival in Grevesmühle die Weltmeere an der Ostseeküste unsicher gemacht hat, tummelt sich endlich wieder munter in den kunterbunten Kulturgewässern des Reviers herum.

„Auch wenn man hier, anders als beim Piratenfestival, nach der Vorstellung vielleicht nicht so oft von kleinen Jungs den Satz 'Sie waren der Coolste!' gesagt bekommt, ich bin sehr froh wieder in Bochum zu sein“, gesteht Arne schmunzelnd, der beim dortigen Action-Open-Air immerhin pro Vorstellung sechs („die mit Kanonen mitgezählt!“) Leutchen auf dem Kerbholz haben durfte.

„Und ich habe in Grevesmühle Windsurfen gelernt“, lacht Arne. Und Dustin Semmelrogge kennengelernt, seines Zeichens nicht nur Sohn von Martin Semmelrogge, sondern ebenso umtriebiger wie vielseitiger Schauspielkollege und mittlerweile sehr guter Freund von Arne. Der Co-Pirat (dem ein oder andern TV-Junkie vielleicht noch bekannt aus „Ritas Welt“) war von Arnes Idee, William S. Burroughs berühmt-berüchtigtes Opus „Naked Lunch“ als coole Action-Lesung auf die Bühne zu hieven, sofort begeistert. Die Start-Segel gesetzt für die anschließend geplante Tour kreuz und quer durch ganz Deutschland werden natürlich im vertrauten Heimathafen Bochum.

„Die Theaterarbeit in der Rottstraße hat mich seinerzeit auf Dauer durch ihre alltäglichen Anforderungen schon sehr geschlaucht, nun fühle ich mich wieder frei und kann tun und lassen, was ich will“, freut sich Arne auf das neue Projekt, das nach seinem Bochum-Comeback mit dem Festival „Kein Raum der Gewalt“ in der Christuskirche vor ein paar Monaten nun am 18. Januar das Riff am Bermudadreieck entern wird.

Geprobt wird zusammen mit Dustin momentan noch in Düsseldorf, und Arne verspricht jetzt schon: „Es wird grell!“ Es wird natürlich Musik geben (Nick Cave, die Nine Inch Nails, die Stones sowie Lou Reeds Klassiker „Heroin“ bieten sich da freilich an, und mit dem stadtbekannten DJ Franco Zappala an Bord kann sowieso nix schiefgehen), und man darf einen wahren Post-Punk-Psychothriller mit jeder Menge Humor, reichlich Rock'n'Roll und allerhand verschwörungstheoretischem Gedöns um Rieseninsekten und „dass Polizisten in Wirklichkeit kleine Mädchen sind“ erwarten.

„Ich mag das Wort 'Kopf-Kino' eigentlich nicht, aber hier passt es mal wirklich“, macht einem der 38-Jährige den Mund wässrig, „ein feiner Cut-Up-Mix in bester Burroughs-Manier!“ Wer die kongeniale „Naked Lunch“-Verfilmung von David Cronenberg kennt, weiß dass dieser Abend tatsächlich ein unvergessliches Event zu werden verspricht. Im wahrsten Sinne des Wortes: Mordsmäßige Unterhaltung!

Ob im Sommer dann wieder als Pirat in Grevesmühle angeheuert wird, stand bei unserem Gespräch im Café Konkret zwar noch nicht hundertprozentig fest („Die Verträge müssen da noch ein bisschen nachgebessert werden“, verrät Arne augenzwinkernd), jetzt freut sich der Vollblut-Theatermann gut gelaunt und mit sichtlich frischer Energie ausgestattet erst mal auf den literarischen Drogenrausch. Noch ein Wort dazu? „Ich hasse Fiege-Pils!“ Na dann, Leinen los und rein ins Riff!

Naked Lunch: 18.1. Riff, Bochum; Vorverkauf im Mandragora am KAP (Konrad-Adenauer-Platz)

Rezension

Naked Lunch: Von Burroughs und Bismarckheringen

Am Anfang war der Schuss. Peng! Eine Frau ist tot. Bills Frau. Hat er sie ermordet? Im Auftrag einer geheimnisumwaberten Organisation? Dustin Semmelrogge ist Bill. Und er kann sich nicht erinnern. Der Doc kann ihm nicht helfen. Oder doch? Arne Nobel führt als Psychodoc ein Pseudoverhör. Ist Bill vielleicht schwul? Schwulsein ist für Agenten doch die beste Tarnung! Sind Polizisten in Wirklichkeit [mehr...]