Klaus Staeck im Museum Folkwang: Die Mächtigen aufregen

| Foto: Klaus Staeck/ Folkwang

Für das, was heute nur noch Jan Böhmermann schafft, war jahrzehntelang Klaus Staeck zuständig: Für politische Satire, die die Mächtigen aufregt. Das Folkwang Museum zeigt im Jahr seines 80. Geburtstags mit „Sand fürs Getriebe“ nun die größte Ausstellung seines Werks seit über 20 Jahren.

Zum Beispiel am 30. März 1976: Da zerriss der CDU-Politiker Philipp Jenninger eins von Staecks in der Parlamentarischen Gesellschaft Bonn ausgestellten Plakaten, das den Schriftzug trug „Seit Chile wissen wir genauer, was die CDU von Demokratie hält“. Wie meistens bezog sich der Künstler damit auf ein konkretes politisches Ereignis der Zeit, in diesem Fall die Äußerung des CDU-Politikers Bruno Heck zum Stadion in Santiago de Chile, das unter der Diktatur Augusto Pinochets zur Folterstätte wurde. Heck sagte damals: „Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm.“ 

Foto: Klaus Staeck/Folkwang
Foto: Klaus Staeck/Folkwang

Auch eins der berühmtesten Plakate Klaus Staecks ist ohne Zusammenhang kaum verstehbar: Es zeigt einen schicken Bungalow im Bauhaus-Stil vor blauem Himmel, davor der Slogan „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“. Das brachte auch Politiker der SPD auf die Palme – obwohl es der Partei eigentlich zu Gute kommen sollte. Staeck reagierte mit dem Plakat auf eine Kampagne der CDU, die im Falle eines SPD-Wahlsiegs deutsche Eigenheime bedroht sah. Spätestens seit der „Aktion für mehr Demokratie“, der in der Ausstellung eine dokumentarische Rauminstallation gewidmet ist, dürfte niemand mehr Zweifel an Klaus Staecks politischer Gesinnung haben: „Bei aller Kritik, die wir an einzelnen politischen Entscheidungen der Vergangenheit hatten: Wer nicht möchte, dass der Sozialstaat demontiert, Arbeitnehmerrechte beschnitten und die Gewerkschaften zerschlagen werden, muss die SPD stärken“, forderte er da. Und als er 2009 zum zweiten Mal zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt wurde, betonte Staeck, dass er mittlerweile auch in den Reihen der Union akzeptiert sei. Die Schau mit 180 Plakaten und ihren Vorläufern, den frühen Druckgrafiken des Juristen, Grafikers und Verlegers, zeigt also auch, wie man durch beständiges Sand ins Getriebe streuen den ganzen Motor verändern kann.