FLIRT: Theater ohne Worte

| Foto: Declan Hurley

Regisseurin Wera Mahne hat für ihr Stück „FLIRT“ schon zum zweiten Mal hörende und taube Darsteller zusammengeführt. In der entstandenen Performance geht es ums Flirten– und um die Verschränkung von Laut- und Gebärdensprache. Ist Körpersprache universal? Was sagen wir, wenn wir nichts sagen?

„Die Idee war, ein Stück über nonverbale Kommunikation zu entwickeln“, erzählt Mahne, die 2016 mit dem Kinderjury-Preis beim Westwind-Festival ausgezeichnet wurde. „In den Proben zum Vorgängerstück ‚Wach?‘, in dem auch schon hörende und taube Menschen gemeinsam auf der Bühne standen, haben wir festgestellt, dass durch die besondere Konstellation in der Gruppe eine andere Art der Kommunikation begonnen hatte“, berichtet sie. Teilweise seien nur durch Blicke oder Bewegungen Absprachen getroffen worden. Durch ein Projekt in Portugal an einer Schule für gehörlose Kinder kam sie zum Thema Gebärdensprache: „Ziemlich schnell war für mich klar, dass mich dieses Thema interessiert, künstlerisch und politisch.“ Danach fing sie an, aktiv Kontakt zu Organisationen zu suchen und die Gebärdensprache zu lernen. In „FLIRT“ geht es um jenen kleinen Tanz umeinander, der so aufregend, so bittersüß sein kann. Gerade für junge Menschen, die zum ersten Mal Erfahrungen in diese Richtung sammeln. Durch eine Online-Recherche näherten sich Mahne und ihr Ensemble dem Thema an. Jeder, der auf die gemeinsam entwickelte Homepage ging, konnte Flirtgeschichten als Material beisteuern.

Die Hoffnung, dass sich viele Teilnehmer über die Plattform finden würden, hat sich erfüllt: „Durch diese Offenheit finden Geschichten und Erfahrungen den Weg ins Theater, die sonst möglicherweise schwer ankommen würden“, so die Regisseurin. So kann das Ensemble über den Tellerrand gucken. Mahne: „Das ist essentiell für meine künstlerische Arbeitsweise.“ Auf der Bühne werden diese Geschichten von den jugendlichen Protagonisten in Laut- und Gebärdensprache erzählt. Durch das Übersetzen in beide Richtungen tauche man noch intensiver in die Marterie ein, erzählt die Regisseurin. Gestik und Mimik bekommen eine viel intensivere Bedeutung, „Zwischentöne“ werden hör- und sichtbar gemacht. Das Ziel der ambitionierten Theatermacherin? „Wenn taube und hörende Menschen gemeinsam in die Inszenierung gehen, in Austausch kommen und die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen als Gewinn betrachten. Das wäre wunderbar.“