
Hol dir die aktuelle Juni-Ausgabe an einer unserer über 3 000 Auslegestellen im Rhein-Ruhrgebiet.

Mit „Endstation Sehnsucht“ bringt man in Wuppertal vor allem die Reihe im Bürgerbahnhof Vohwinkel in Zusammenhang; hier präsentieren sich deutsche und internationale Singer/Songwriter in Wohnzimmeratmosphäre. Weniger heimelig geht es in dem gleichnamigen Stück von Tennessee Williams zu, das ab Februar in einer Inszenierung von Claudia Bauer im Opernhaus zu sehen ist. Sie inszenierte für die Bühnen bereits „Im Dickicht der Städte“ und „Macbeth“.
Als der Spielfilm mit dem Originaltitel „A Streetcar Named Desire“ 1951 in die Kinos kam, sollte er einen gewissen Marlon Brando weltberühmt machen. Der Schöpfer der Figur Stanley Kowalski, Tennessee Williams, hatte aber bereits Autorengeschichte geschrieben, nachdem er nach der Uraufführung 1947 für „A Streetcar …“ den Pulitzer-Preis verliehen bekommen hatte. Beste Voraussetzungen also, den zeitlosen und beliebten Stoff einem breiten Publikum nachvollziehbar aufzubereiten. Die Story liest sich einfach: „Die überspannte und dem Alkohol verfallene Blanche Dubois taucht überraschend im kleinbürgerlichen Leben ihrer Schwester Stella auf. Heimatlos geworden, hat sie nichts im Gepäck als eine elegante Garderobe und die bizarre Vergangenheit ihres gesellschaftlichen Abstiegs. Eine Konstellation mit Kollisionskurs bahnt sich an. Stella spürt, wie sich ihre Schwester, die ihre einst betörenden Reize schwinden sieht, immer offensiver zwischen sie und ihren Mann Stanley drängt. Stanley wiederum, der Blanches Maske aus Blasiertheit und Extravaganz mit Zynismus und Herablassung begegnet, sieht sich dennoch von ihr angezogen. Eine sich abzeichnende Liaison Blanches mit seinem Freund Mitch hintertreibt er. Die Hochspannung, gespeist aus Eifersucht, unerfüllten Träumen und unterschiedlichen Lebensentwürfen, entlädt sich schließlich im Akt der Gewalt …“
Dieses als eines der bekanntesten Stücke Williams’ – deren nach Auffassung der Wuppertaler Bühnen „die Zeit überdauernder Wert vor allem in den genialen, psychologisch feinsinnigen Figurenzeichnungen liegt, die einen platten Realismus weit hinter sich lassen und mit wahrhaft tragischen Zügen gestaltet sind“ – kann im Grunde noch immer am (Poker)Tisch und im Bett erzählt werden; ein psychologischer (und durchaus auch physischer) Kampf um Macht, um Geld, um vermeintliche Werte ist platt UND Realität und wird hoffentlich nicht überinterpretiert.
Sophie Basse, Holger Kraft, Anne-Catherine Studer, Hendrik Vogt, Lutz Wessel und Marco Wohlwend bringen „Endstation Sehnsucht“ auf die Bühne.
JD
Kommentar hinzufügen
* Pflichtfeld