Überdrehter Bilderreigen

| Foto: Klaus Fröhlich

Bonbonfarbene Kostüme, schrille Frauenstimmen, bunte Diskobeleuchtung sind die Markenzeichen dieser „Emilia Galotti“. Die Inszenierung trägt die deutliche Handschrift des Machers Herbert Fritsch, der nach „Tartuffe“ und „Nora“ sein eigenwilliges Bildertheater in Oberhausen fortführt.

Kaum zu glauben, aber die anwesenden Oberstufenschüler finden trotz des radikalen Umgangs mit dem Text erstaunlich viel vom Lessingschen Original wieder. Diese Emilia ist mehr unterhaltsam als tragisch, die Figuren faszinieren durch ihre Überreiztheit und nerven zugleich.

Einzige Bühnenelemente sind ein Flügel und die überlebensgroßen Portraits von Emilia und der Gräfin Orsina. Während das Klavier, durch geeinte Muskelkraft des Ensembles, mit dem Pianisten Otto Beatus alias Wolfgang M. über die Bühne schwebt, wird zwischen den wenig schmeichelhaften Gemälden an der Bühnenrampe um Emilias Kopf verhandelt. Lieblich wirkende Klavieretüden nach Mozart umspielen die Akte, besonders eindrucksvoll sind dabei die barocken Gesangseinlagen der stimmstarken Schauspieler. Dabei setzt Karin Kettling mit ihrer bis an die Schmerzgrenze kreischenden Mama Galotti den Maßstab. Da hilft auch kein Schütteln oder Würgen, Lessings Frauen sind entweder wutgesteuerte Marionetten oder, wie Angela Falkenhans puppenartige Emilia, Opfer männlichen Größenwahns.

Daneben stehen die Männerfiguren ahnungslos bis böse da, allen voran Marinelli, dem Jürgen Sarkiss im Ganzkörper-Blockstreifen-Anzug eine salamanderhafte Schleimigkeit verleiht. Unübersehbar sind die großartigen Kostüme mitsamt turmartigen Haaraufbauten von Victoria Behr, die Fritschs Inszenierungen diese einzigartige Ästhetik verleihen.  

Ariane Schön

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