
Hol dir die aktuelle Juni-Ausgabe an einer unserer über 3 000 Auslegestellen im Rhein-Ruhrgebiet.

Es geht ums Überleben, wenn die Diagnose Krebs heißt. Genau davon handelt Barbara Wachendorffs Inszenierung am Schlosstheater. Morbus Hodgkin, Leukämie, Mukoviszidose – Krankheitsbilder werden beim Namen genannt, Behandlungsmethoden minutiös geschildert. Die meisten Texte stammen von ehemaligen Erkrankten. „Ich lebe lebensbewusster. Ich genieße jede Sekunde“, erklingt Alinas Stimme, dazu erscheint ihr Gesicht auf einem Monitor. Thao Pham, Tina, Martin, Manuel und all die anderen werden im Laufe des Abends ebenfalls ihre Geschichte über den Fernsehbildschirm erzählen.
Die Schauspieler Matthias Heße und Katja Stockhausen gehen teils ernst, oft aber auch satirisch mit den Textvorgaben um. „Toc Toc Toc, der kleine Doc! Hast du Schnupfen oder Husten, der kleine Doc kann dir was pusten“ – so eröffnet das Schauspieler-Duo mit Clownsnasen die lustige Aufklärungs-Fernsehshow. Sämtliche Klischees rund um das Krankheitsbild Krebs werden aufgetischt. Da treten Lisa und Janise vor das Mikro und kontern in pragmatisch-sachlichem Ton, was sie denn wirklich durchlebt haben – der Klinikaufenthalt, die Nebenwirkungen, das Bangen, das Hoffen. Es sind die kleinen Dinge, die das Glück ausmachen. Dramaturg Felix Mannheim und Regisseurin Barbara Wachendorff umgehen in ihrer episodenhaften Collage jede peinliche Bloßstellung, sie machen kein Betroffenheitstheater.
Und doch geht diese Mischung zwischen Wirklichkeit und Inszenierung unter die Haut. Das Stück vertreibt das Gespenst des Schweigens, denn das Ungesagte wirkt oft unheilvoll, bleibt als „Elefant im Raum“. Die Produktion ist ein Teil der Projektreihe „überGehen“ mit Ausstellungen, Workshops und Vorträgen.
Ariane Schön
Kommentar hinzufügen
* Pflichtfeld