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Ich seinem eigenen Verlag gibt er Romane und Bildbände heraus und betreut das neue Solinger Hochglanz-Stadtmagazin „Engelbert“. Jetzt hat Daniel Juhr aus Wipperfürth jedoch dort auch sein eigenes „Baby“ bekommen: Einen Episodenroman über die letzte Nacht der Rockdisco Exit in Solingen. Den gibt’s nicht nur zum Lesen, sondern auch live zum Hören! coolibri sprach mit dem Verleger und Vergangenheits-Verehrer.
coolibri: Wann war deine aktive Exit-Zeit?
Daniel Juhr: Ich bin etwa von 1998 bis 2004 fast jeden Donnerstag ins Exit gegangen. Das war der Rock/Alternative-Tag. Wir sind immer mit vier, fünf Leuten dorthin gefahren. Ich war aber immer einer der wenigen, die nicht nur zum Kickern oder Trinken da waren, sondern vor allem zum Tanzen!
Wie bitte? Männer können doch nicht tanzen!
Doch, für mich war das das Wichtigste. Wenn ein guter Song kam, habe ich dafür die spannendsten Gespräche abgebrochen!
Was war das Besondere am Exit?
Es war immer sehr friedlich dort, es gab keine Security, egal ob man Oberlippenbart, Karohemd oder Kutte trug. Und genau das vermisse ich jetzt: Einen Laden, in dem man einfach nur abrocken kann.
Wie kam es überhaupt zum Aus fürs Exit?
Das fing an, als der Müngstener Brückenpark gebaut wurde. Die Zufahrt wurde gesperrt, man musste immer ganz weit weg parken und viele dachten, der Laden sei schon längst zu. Und 2005 war’s dann endgültig soweit.
Und jetzt lebt das Exit wieder auf – in deinem gleichnamigen Erstlingsroman. Wie kam’s dazu?
Ich hatte schon vor Jahren einen Coming-Of-Age-Roman über einen Rockschuppen angefangen. Dann kam mir die Idee, es mit dem Exit zu verbinden. Über Facebook habe ich dann Leute gesucht, die mir ihre Erinnerungen mitteilen sollten. Die Seite hatte erst 100, jetzt schon 300 Mitglieder.
„Exit“ spielt in eben diesem Club, ist aber ein fiktiver Roman …
Ja, ich wollte nicht die Biografien anderer aufschreiben und mich zum Sklaven von Fakten machen. Wer einen Tatsachenbericht sucht, wird enttäuscht sein, die Handlung ist frei erfunden. Trotzdem gibt es vier echte Personen: Inhaber Wolfgang, Türsteher Wietold sowie die DJs Vossi und Uwe. Die haben das Ganze natürlich vorher abgesegnet.
Welches ist dein Lieblingssong aus dieser Zeit?
Es gibt viele, aber einer, der mir besonders am Herzen liegt, auch wenn er im Roman „der Tussi-Song“ heißt, ist die 10-Minuten-Live-Version von „Like The Way I Do“ von Melissa Etheridge. Der Song ist so emotional und mit so viel Herz gesungen – er spiegelt für mich quasi die ganze Exit-Zeit wider.
Das Exit stand unter der Müngstener Brücke, die ja als Selbstmörder-Brücke bekannt ist. Hatte der Ort auch etwas Dramatisches, Destruktives?
Ja, es gibt schon viel Morbides, viel Tod und Trauriges. Das Thema habe ich im Roman auch verarbeit, wenn es auch kein Selbstmörder ist, sondern jemand, der beim Kraxeln abrutscht.
Warum trauern gerade die Erwachsenen, die in den 80ern/90ern jung waren, eigentlich so sehr ihrer Jugend hinterher?
Ich glaube, das ist kein Generationenproblem. Wir werden alle nicht jünger, haben alle nicht mehr die Zeit zum Auspennen. Was bleibt, sind Erinnerungen, Gerüche nach Nebel, Gras und Kutten. Ich bin jetzt 33, ein Alter, wo viele schon die ersten Krankheiten oder andere Probleme bekommen oder Freunde oder Familienmitglieder verlieren. Da sehnt man sich einfach nach der „guten alten Zeit“.
Gehst du heute noch in Discos?
Selten. Man hat ja Kind, Hund, Haus, Familie, Unternehmen. Aber ich glaube, ich muss mir einfach mal einen festen Termin nehmen, einmal im Monat wieder Abrocken …
Sabine Bode
Ein multimedialer Abend für Nostalgiker: Daniel Juhr liest aus seinem Roman, der Reportagefotograf Oliver Haarmann präsentiert auf mehreren Beamern die letzten Fotos aus dem Exit vor dem Abriss, dazu spielt die Remscheider Band Privacy ein Akustik-Set mit den beliebtesten Songs des „Donnerstags“.
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