Varieté et cetera: Zeitreise in die 50er

Die Farellos (Toni Farello & Frau Schmidt) | Foto: Varieté et cetera

Elvis-Tolle, kariertes Sakko und frisch gespannte Hosenträger – bereits zum zweiten Mal stürzt sich das Varieté et cetera in Bochum mit aufgedrehter Jukebox in die Welt der 50er Jahre. Gezeigt werden schräge Comedy und erstklassige Artistik eingebettet in den unverwechselbaren Sound eines rebellischen Jahrzehnts. Und am Ende des zweieinhalbstündigen Programms steht sogar der King himself auf der Bühne.

Der Rockabilly Club ist präpariert, die verchromten Barhocker blitzen und die Scheinwerfer tauchen die Bühne in ein farbenfrohes Licht. Aber nicht nur das Varieté hat sich herausgeputzt, auch einige Gäste haben sich für den Abend in Schale geworfen. In ihren Polka-Dots-Kleidern warten sie auf den Beginn der Show. Und der lässt nicht lange auf sich warten. Moderator Jerry Lee Meier (Markus Schimpp) hämmert sogleich in die Tasten und zeigt mit seiner Interpretation von „Great Balls of Fire“, dass er mit seinem Namenspaten in Sachen Rockpiano durchaus mithalten kann. Die Rechnung geht auf: Die ersten Hände klatschen im Takt und auch einige Füße wippen, noch leicht zurückhaltend, mit.

Hula-Hoop Gekreisel, Körperspannung und rasende Einräder

Igor Boutorine(Johnny B. Hoops) | Foto: Varieté et cetera

Aber was wäre eine Varieté-Show ohne Artistik? Ziemlich öde. Deshalb geben auch die Artisten ordentlich Gas. Bei Igor Boutorine kommt ein populäres Mode-Spielzeug der 50er zum Einsatz: der Hula-Hoop-Reifen. Aber nicht nur einer, gleich eine ganze Reihe von Reifen wirbeln an Armen, Füßen sowie Hüfte umher und dabei lässt der charmante Russe es so aussehen, als wäre dies die einfachste Sache der Welt. Mitten hinein in den Zuschauerraum schwebt  Alexanne Raby am Luftring. Mit Gelenkigkeit und Körperspannung absolviert die Kanadierin Kunststücke von grazil bis nervenaufreibend. Auch während der Musiknummern macht sie als Tänzerin im schwingenden Petticoat-Kleid eine gute Figur. Zwischendurch immer wieder präsent ist Frau Schmidt, die Putzfrau des Clubs, die stets mehr Chaos verursacht, als sie wegfegt. Doch keiner sollte die ungeschickt wirkende Frau im rosa Kittel unterschätzen. Zusammen mit Partner Toni Farello liefert sie hochanspruchsvolle Partner-Akrobatik und Einrad-Artistik ab, bei der man sich mehr als einmal fragt, wie die beiden es schaffen, rechtzeitig am Bühnenrand abzubremsen.

Alberne Moderatoren und ein schweißnasser Elvis

Jerry Lee Meier und Willie Blue (Marco Pfriemer) | Foto: Varieté et cetera

Für gelockerte Gesichtsmuskeln sorgten die amüsant albernen Slapstick-Einlagen vom Moderatoren-Duo Jerry Lee Meier und Willie Blue (Marco Pfriemer), wobei letzterer eher ein Mann der wenigen Worte ist und sein komisches Potenzial in aller Stille entfaltet, wenn er nicht gerade unter akutem Jodel-Zwang leidet. Überraschend wie originell, der Abschluss des Showprogramms: Der optisch und gesanglich ausgereifte Elvis-Imitator Tode Banjanski gab im stilecht halbgeöffneten Glitzeranzug wirklich alles, ließ Hüften kreisen und suchte insbesondere die Nähe des weiblichen Publikums. Spätestens bei der Nummer „Suspicious Minds“ war das Imitat so durchgeschwitzt wie seinerzeit das Original auf Hawaii. Nach einer zweieinhalbstündigen Show schickte „Elvis“ die Zuschauer mit einer Menge Ohrwürmern des King of Rock ’n’ Roll amüsiert beschwingt und leicht sentimental nach Hause.  Lina Niermann

Rockabilly Club: bis 17.6.18, Varieté et cetera, Bochum