Die Mitwisser: Spionagethriller

Big Data is watching you: Die Mitwisser | Illustration: Katharina Gschwendtner

Jeder weiß: Wer im Netz unterwegs ist, hinterlässt Spuren. Niemand weiß: was eigentlich mit diesen Daten passiert, wer sie speichert und auswertet. Datenschutz, Privatsphäre? Och, naja. Ein ebenso brisantes wie unterschätztes Thema, dem sich das Theaterstück „Die Mitwisser“ widmet.

Erinnert sich noch jemand an die Volkszählung in den 80er Jahren? Der Staat wollte zum Zwecke der Inventur seine Bürger auskundschaften, worauf diese mit massiven Protesten reagierten. Erst 1987, vier Jahre später als geplant und nach einem bahnbrechenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts, fand der Zensus statt.
Heute ist jenes „Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung“ (der Einzelne entscheidet selbst, wer Daten von ihm erhebt, speichert, nutzt und weitergibt), nahezu ausgehebelt. Wir haben längst die Kontrolle verloren – und nehmen dies bereitwillig hin. Munter posten wir Intimstes auf Facebook, füttern Instagram mit Selfies und Fotos unserer Kinder, kaufen online, scannen an der Supermarktkasse brav die Payback-Karte und trainieren mithilfe der Fitness-App des Handys. Ab und zu beschleicht uns leises Unbehagen, aber was soll’s: Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich vor nichts zu fürchten. Oder doch?

Hört das Handy mit?
Mit der allgegenwärtigen Überwachung durch Big Data beschäftigt sich ein Theaterstück, das der Dramatiker Philipp Löhle im Auftrag des Düsseldorfer Schauspielhauses geschrieben hat. Am 28. April ist die Uraufführung im Central unter der Regie von Bernadette Sonnenbichler. „Die Mitwisser“ wirft Fragen auf, die sich wohl jeder schon einmal gestellt hat: Nimmt mein Handy heimlich die Gespräche in der Küche auf? Wie funktionieren Algorithmen und warum kennt Google alle Stationen meiner Spanienreise, obwohl die Standortverfolgung des Handys deaktiviert war? Ist vertrauliche Kommunikation nur noch in der freien Natur und ohne digitale Geräte möglich?
Philipp Löhle, 1978 in Ravensburg geboren, gilt als einer der wichtigsten Gegenwartsdramatiker. Fundament seiner Stücke sind stets reale Verhältnisse, die er kritisch, aber nicht ohne Humor analysiert. In „Die Mitwisser“ konvertiert er die digitale Welt ins Analoge – das Handy wird zur Figur. Pest oder Cholera?

Die Mitwisser: 5.5., 20 Uhr, Central, Düsseldorf