10 Highlights zum Ende des Bergbaus

ExtraSchicht Henrichshütte Hattingen | Foto: Ruhr Tourismus/Sascha Kreklau

Jetzt ist endgültig Schicht im Schacht. Das Zeitalter Bergbau geht zu Ende, die letzte deutsche  Steinkohlezeche schließt Ende des Jahres. Grund genug, auf die letzten rund 1000 Jahre zurück zu blicken und gleichzeitig in die Zukunft zu schauen. Genau darauf zielt die Initiative „Glückauf Zukunft“ ab. Viele Projekte und Kulturveranstaltungen begleiten die Ruhrpottler durch das denkwürdige Jahr und läuten die neue Epoche ein: das Ruhrgebiet ohne Steinkohle. Neben Fotoausstellungen, Workshops und Sportveranstaltungen sind auch Diskussionsrunden und Kulturfestivals im Programm.

Mit dem Ende der Ära endet auch das breitgefächerte Programm Ende des Jahres. Spätestens dann wird es Zeit, den Bergleuten noch einmal offiziell zu danken. Unter dem Titel „Danke Kumpel“ kommt es am 3. November 2018 zur Verabschiedung der Bergarbeiter, bevor im Dezember 2018 das Deutsche Bergbau-Museum neu eröffnet. Seit 2016 wird das Museum in Bochum saniert, Ende dieses Jahres präsentiert es seine neu gestalteten Rundgänge rund um Steinkohle, Bergbau und Bodenschätze. Wir haben euch zehn Veranstaltungs-Highlights zum Thema Bergbau herausgesucht, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

Alle Veranstaltungen unter:

ExtraSchicht – die Nacht der Industriekultur (30.6.)

Eine Nacht wie keine andere. Eine Nacht voll leuchtender Darbietungen. An mehr als 45 Spielorten in über 20 Städten erstrahlt die Metropole Ruhr in einem bunten Fächer an Tanz und Theater, Musik und Akrobatik, Wortpoesie und Lichtkunst. Schauplätze, an denen früher Kohle und Stahl geglänzt haben, präsentieren am 20. Juni die unterschiedlichsten Künstler ihre Kunst und Leidenschaft. So dient die ExtraSchicht einerseits als neue Bühne, andererseits als Erinnerungsstätte. Mit einem integrierten Shuttleservice können die über 200.000 Besucher so viele Events wie möglich abklappern und ihre Entdeckungsreise durch die nächtliche Industriekultur starten. extraschicht.de

ExtraSchicht Zukunftsstandort Ewald Herten |
Foto: Ruhr Tourismus/Rupert Oberhäuser

Ruhrfestspiele Recklinghausen (1.5.-17.6.)

Mittlerweile ein Klassiker der Kulturfestivalszene: Seit etlichen Jahren sind die Ruhrfestspiele fest im Revier verankert. Ihren Wurzeln reichen tatsächlich bis in das Kohlezeitalter hinein: Ursprünglich sind die Ruhrfestspiele aus Solidarität der Bergleute entstanden, die Kohle an den Alliierten vorbei zu den Hamburger Theatern schmuggelten, damit diese im Winter nicht schließen mussten. Dieses Jahr steht das Thema Bergbau wieder im Rampenlicht. Nicht nur der deutsche, auch der belgische oder britische Bergbau wird hier zum großen Spektakel. Gleichzeitig stellt sich in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage nach der Heimat. In Zeiten von AfD und Flüchtlingsströmen konfrontieren sich auch die Ruhrfestspieler mit der omnipräsenten Frage: Was heißt Heimat heute? Das Programm ist in jedem Fall bunt gestaltet und reicht von Kabarett über Schauspiel und Tanz bis zu Musik und Performance. ruhrfestspiele.de

Ruhrfestispiele Coal Gary Clarke Company |
Foto: Joe Armitage

Ruhrtriennale (9.8.-23.9)

Kultur, Kunst und Kreativität! Das Festival der Künste macht dem Wort „Vielfalt“ alle Ehre: Mit Konzerten, Installationen, Tanz, Musiktheater und Schauspiel verwandelt sich die Ruhrmetropolregion in einen Schauplatz des Spektakels. Ab dem 17. August bis Ende September dienen Halden, alte Kokereien, ehemalige Kraftzentren und Maschinenhäuser als Bühne für internationale Künstler. Ein unverwechselbares Erlebnis für alle Kulturliebhaber. ruhrtriennale.de

Spielstätte Dampfgebläsehaus Bochum | Foto: Jahrhunderthalle Bochum

Kunst und Kohle (3.5.-16.9.)

Eine etwas andere Perspektive auf die Bergbaugeschichte zeigt die Ausstellungsreihe „Kunst und Kohle.“ An 17 Standorten der RuhrKunstMuseen ist ab Anfang Mai das große künstlerische Projekt zu sehen, das sich über etliche Darstellungsformen erstreckt. Neben Fotos, Zeichnungen und Installationen machen die Künstler auch nicht vor Comics, Holzschnitten, Skulpturen oder Klangkunst Halt. Kohle in all ihren Erscheinungsformen steht hier im Zentrum der Sonderausstellungen. Dabei ist bei Weitem nicht alles kohlrabenschwarz, man darf gespannt sein! ruhrkunstmuseen.com/ausstellungen

"Kunst & Kohle" Alexander Chekmenev, Perevalsk, Lugansk Region, 2003 Foto: Galerie Clara Maria Sels/Alexander Chekmenev

WissensNachtRuhr (28.9.)

Für große und kleine wissensdurstige Forscher gibt es eine gute Nachricht: Die WissensNacht Ruhr steht wieder in den Startlöchern. Eine Nacht lang gibt es die geballte Ladung an Wissen ganz nach dem Motto „all you can learn“. Bei einer nächtlichen Entdeckungsreise durch Labore, Hörsäle und Räume der Wissenschaft gibt es einiges zu erforschen. Hunderte von Wissenschaftlern aus über 100 Institutionen zeigen in Experimenten, Exkursionen  und Vorträgen, was es alles zu bestaunen und zu lernen gibt. Dieses Jahr stehen die Themen Nachbergbau und Industriekultur im Mittelpunkt. wissensnacht.ruhr

WissensNachrRuhr | Foto: RTG Oberhäuser

lit.Ruhr (10.-14.10.)

Ein Literaturfestival für’s Revier: lit.Ruhr geht in die zweite Runde und präsentiert auch in diesem Jahr wieder spannende Vorträge, Lesungen, Diskussionen und Interviews. Mit dem Fokus auf dem Steinkohlezeitalter laden die Veranstalter viele prominente Künstler ein. Im vergangenen Jahr standen unter anderem Senta Berger, Ranga Yogeshwar, Nick Hornby und Donna Leon auf den Bühnen von lit.Ruhr. Leselustige Besucher und Literaturfans können sich auf ein facettenreiches Programm an diversen Spielorten freuen. lit.ruhr

Atmosphäre bei der lit.RUHR | Foto: Zeche Zollverein

Wir fürchten nicht die Tiefe – Texte aus dem Kohlerevier (März-November)

Zwölf Schauspieler gehen auf die Reise. Mit Romanen und Gedichten im Gepäck lesen Dietmar Bär, Martin Brambach und neun weitere Schauspieler Bergbauliteratur unter anderem von Kurt Küther und Max von der Grün. Von März bis November lassen sie den Alltag unter Tage in zwölf Städten Revue passieren. Insgesamt finden zwölf Lesungen statt, darunter in Bochum, Dortmund und Essen. fhi.dortmund.de

Wir fürchten nicht die Tiefe (Lesereihe) | Foto: Erich Grisar (Stadtarchiv Dortmund)

Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte (27.4.-11.11.)

Der Steinkohlebergbau ist nicht nur eine deutsche Angelegenheit, die Kohleförderung hat in ganz Europa Geschichte geschrieben. Deshalb stellt die Sonderausstellung den Blick etwas weiter: In „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ können Besucher das vielschichtige Kohlezeitalter in ganz unterschiedlichen Bereichen erkunden. Technische, gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen stehen genauso im Raum wie das Thema Naturzerstörung und die Arbeitsbedingungen in der Industrie. Die Zeitreise von 1750 bis heute findet in der Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein in Essen statt. zeitalterderkohle.de

Letzte (reguläre) Schicht bei der Ausfahrt Schachtanlage Zollverein Essen am 23. Dezember 1986 | Foto: Ruhr Museum

Energiewenden – Wendezeiten (20.10.-28.10.)

Die letzte Schicht im Bergbau ist in Reichweite, die Energiewende kommt. Die Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“ wirft gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit und die Zukunft: Was bringen neue Energiesysteme für Herausforderungen mit sich, was haben sie für Vorteile? In öffentlichen Führungen können die Gäste diesen Fragen auf den Grund gehen. Ist der Wissensdurst dann immer noch nicht gestillt, können Besucher in regelmäßigen Gesprächsrunden Fachleute zu Energiethemen befragen. Außerdem dürfen Klein und Groß auch mal selbst experimentieren und zum Beispiel herausfinden, wie Energie eigentlich entsteht oder ein Windrad funktioniert. energiewenden.lvr.de

Essen im Licht, 1928 | Foto: Peter Kleu (Fotoarchiv Ruhr Museum)

Revierfolklore (22.3.-28.10.)

Mit dem Ende des Bergbaus steht Identifikation im und mit dem Ruhrgebiet immer wieder im Mittelpunkt. Hiermit beschäftigt sich auch die Sonderausstellung „Revierfolklore – Zwischen Heimatstolz und Kommerz“. Die regionale Erinnerungskultur mischt sich hier mit neuen, innovativen Ideen von Ruhrgebietsdesignern. Was macht das regionale Heimatsgefühl im Pott aus? Wo sind die Grenzen zwischen Denkmal und Erinnerungsstück, wo zwischen Kunst und Kitsch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich „Revierfolklore“ im Bochumer Industriemuseum Zeche Hannover. lwl.org/industriemuseum/standorte/zeche-hannover/sonderausstellung

Ausstellung Revierfolklore | Foto: M. Holtappels (LWL-Industriemuseum)