Wie im Himmel: Zwischen Kitsch und Kunst

Ensemble mit Projektchor | Foto: Teater Hagen

Im orchestralen Finale, komponiert von Andres Reukauf, singt das Ensemble mitsamt Projektchor die Titelfigur Daniel Daréus ins Jenseits. Schauspieler Andreas Kunz (erwachsener Daniel) hält Joshua Schettner (junger Daniel) an der Hand und schwebt mit bunten Luftballons hinauf ins Wolkenpanorama. Regisseur Thomas Weber-Schallauer hat keine Angst vor Kitsch und die Zuschauer reißt es von ihren Sitzen vor Begeisterung.

Die Bühnenfassung von „Wie im Himmel“ nach dem Film von Kay Pollak ist ein Chor-Märchen für Erwachsene, das zwar kein richtiges Happy End hat, aber eben viel Zuversicht verströmt. Nach einer lebensbedrohlichen Herzattacke kehrt der erfolgreiche Dirigent Daniel Daréus in das Dorf seiner Kindheit zurück und wird dort mit der Leitung des Kirchenchores beauftragt. Der Künstler lernt die Sorgen und Nöte von „normalen“ Menschen kennen und er trifft seine Jugendliebe wieder. Der erste Teil der Geschichte wird in schnell wechselnden Bildern erzählt und kommt dadurch nicht so richtig in Fluss. Bis dahin werden viele Klischees bedient (wie vertrottelte Dorfbewohner, prügelnde Ehemänner), die Dialoge wirken ein wenig hölzern.

Intensives Ensemblespiel

Wie zu erwarten, entwickelt der Amateur-Chor neuen Ehrgeiz, mit Grausen sieht der Pfarrer seine Macht über seine Schäflein schwinden. Nach der Pause wird das Ensemblespiel intensiver, die zuvor schwelenden Konflikte brechen hervor. So gibt es beispielsweise eine eindringlich gespielte Ehekrise zwischen dem Pfarrer (Ralf Grobel) und seiner Frau (Antje Lewald). Herausragend sind Daniel Heck, der den geistig behinderten Tore mit faszinierender Präzision spielt. Aber auch Judith Guntermanns zerbrechliche Gabriella beeindruckt mit ihrer Befreiung vom misshandelten Mauerblümchen zur unabhängigen Frau. Musikalisch besiegelt sie in „Gabriellas Song“ den Aufbruch in ihr neues Leben. Weber-Schallauer zeigt, wie der Gemeindechor Gabriellas gewalttätigen Ehemann mit dem Lied „In einem kühlen Grunde“ in die Flucht schlägt. Auch das kann die menschliche Stimme in dieser Hommage an die Kraft der Musik bewirken. Ariane Schön

„Wie im Himmel“ 8.12., Theater Hagen

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