Seht mich an: Das west-off-Festival NRW

FAME! | Foto: Ingo Solms

Das Verlangen nach Ruhm und Aufmerksamkeit ist, gerade auf Social Media-Plattformen, allgegenwärtig. Die Hüllen fallen, nichts ist zu peinlich, Hauptsache , die Likes stimmen. Marje Hirvonen , mit ihrem Stück „fame“ beim diesjährigen west off-Festival zu Gast, setzt sich im Dezember tänzerisch mit dem Thema auseinander. Im Interview mit Tossia Corman verriet die Finnin, warum auch sie eine Rampensau ist.

Wie bist du auf die Idee zu deiner Performance gekommen?
Vor ein paar Jahren habe ich mit meiner Mitbewohnerin, ihrer Mutter und einem Freund darüber geredet, ob wir berühmt werden möchten . Die Mutter meiner Mitbewohnerin ist selbst Künstlerin und war in ihrer Anfangszeit überzeugt, mit ihren Arbeiten erfolgreich zu werden. Weil eine Galerie Interesse hatte und sie dachte, so läuft das. Im Laufe des Gespräches haben wir dann festgestellt, dass wir uns übers Berühmtwerden eigentlich keine Gedanken mehr machen müssen, weil es wahrscheinlich eh nicht mehr passieren wird. Da kam mir die Idee zu „When I still thought that I would become famous“. Und ich stellte mir die Frage, ob und inwiefern mich der Wunsch, berühmt zu werden, motiviert hat, Tanz zu studieren. Irgendwie bin ich ja schon eine Rampensau. Aber eigentlich gibt es ja heutzutage viel einfachere Wege, „famous“ zu werden als den zeitgenössischen Tanz . Allein durch die Über-Präsenz der verschiedenen Medien.

Wie gehst du vor, wenn du ein Stück entwickelst?
Erst recherchiere ich mein Thema theoretisch; lese darüber und schaue mir Dokumentationen an. Alles, was ich inspirierend finde. Dann gehe ich ins Studio, meistens schon mit einer mehr oder weniger konkreten Idee im Kopf. Da kreiere ich dann das Bewegungsmaterial. Für „fame“ habe ich in Berlin, Finnland, Köln und Indien gearbeitet. Einen Ortswechsel finde ich erfrischend und jeder Ort hatte sicherlich auch einen Einfluss auf die Arbeit .

Marje Hirvonen | Foto: Ingo Solms

Bist du selber auf Social Media-Kanälen vertreten und kennst das befriedigende Gefühl, Likes zu bekommen?
Ja, das Gefühl kenne ich, leider. Ich bin nicht sehr aktiv auf Social Media-Plattformen, aber schon alleine Facebook ist ziemlich präsent geworden in meinem Alltag - auch weil es für meine Arbeit wichtig ist. Ich muss zugeben, dass ich sicherlich auch eine Art Bestätigung und Aufmerksamkeit von außen wünsche. Likes finde ich natürlich immer gut.

Verfolgst du YouTuber oder Influencer?
Nein, weder noch. Influencer finde ich sehr seltsam: Werbung in Form von einer Person. Interessant finde ich dagegen die Frage, wer als „Influencer“ anerkannt wird.

Hast du das Gefühl, mit Performances wie diesen auch eine gewisse Verantwortung zu tragen? Weil du dich kritisch mit etwas auseinandersetzt, das gerade junge Leute sehr wichtig nehmen?
Mit meiner Arbeit möchte ich nicht direkt kritisieren oder belehren. Ich beschäftige mich mit Themen, die auch in meinem Alltag oder in der Gesellschaft, von der ich ein Teil bin, präsent sind. Jede meiner Arbeiten ist auch persönlich. In „fame“ bin ich ja selbst eine Aufmerksamkeit-Suchende, die ihre Identität auf- und abbaut, um zu gefallen und sich zu verkaufen. Damit konnten sich bis jetzt überraschend viele Menschen identifizieren, auch unabhängig von ihrem Alter.


west-off: 7.bis 9.12., Marje Hirvonen: fame – When I still thought I would become famous: 7.12., & 9.12., 21 Uhr, FFT Juta, Düsseldorf