Der Tod trägt Schwarz-Weiß: Neues Buch von Michael Holtschulte

Cartoonist mit Katze | Foto: Sebastian Ritscher

Cartoon-Zeichnen ist keine Einbahnstraße. Mittlerweile tummeln sich alle beliebten Zeichner bei Facebook, lassen sich dort belobhudeln oder harsch angehen. Für Michael Holtschulte gehört das dazu, ihm macht der Fan-Dialog Spaß. Daraus ist sogar sein neuestes Buch entstanden – das Malbuch des Todes. Und ein Stifte-Hersteller hat ihm passend dazu ein eigenes Stifte-Set gewidmet.

Bei Michael Holtschulte läuft es gut. „Momentan lebe ich meinen Traum“, sagt der Cartoonist. Ein Traum, den er schon länger hegt. 1979 in Herne geboren, ging es mit seinen Eltern schon früh nach Herten, wo der umtriebige Zeichner noch heute lebt. Klar, schon als Kind hat er gerne gezeichnet – welches Kind macht das nicht? Bei Holtschulte hatte es allerdings eine andere Qualität. Kein Wunder, mit einer Künstlerin als Mutter. Sie zeigte ihm schon früh viele Zeichen- und Maltechniken. Besonders hat es ihm die franko-belgische Schule angetan. Die Leidenschaft fürs Zeichnen blieb, das Talent auch.

Mal dir deinen Tod aus! | Bild: Michael Holtschulte

Mit Basketball fing alles an

„Mit 15 habe ich schon für die WAZ gezeichnet“, sagt der heute 38-Jährige. Damals spielte er Basketball im Verein und hatte bereits für das vereinseigene Hallenheft gezeichnet. Dadurch wurde die lokale Tageszeitung auf ihn aufmerksam und heuerte den Schüler glatt als freien Karikaturisten an. „Dann kamen immer mehr Redaktionen dazu, bis hin zur Süddeutschen.“

Das Zeichnen ließ den Zeichner nicht mehr los. Während des Studiums an der Bochumer Ruhr-Universität (Germanistik, Sozialpsychologie und Politikwissenschaften) arbeitete er bei einer Werbeagentur und weiter als Karikaturist. „Als ich mit dem Studium fertig war, gab es einen fließenden Übergang in die Selbstständigkeit.“ Aber so richtig angekommen war er da noch nicht. Holtschulte hatte viele Illustrationsjobs, aber etwas fehlte. Schließlich musste er alles Mögliche zeichnen. „2009 schwenkte das komplett um, seitdem zeichne ich zu 90 Prozent Cartoons.“

Schon vorher hatte Holtschulte den Traum vom eigenen Buch. „Ich dachte mir: ,Wenn ich schon in Zeitungen veröffentliche, ist das eigene Buch nicht mehr so weit entfernt.‘“ Das war noch zu Schulzeiten. Das erste Buch sollte erst 2004 kommen. Stolz ist der Cartoonist darauf aber nicht. „Dafür schäme ich mir heute die Augen aus dem Kopf. Die Witze saßen nicht, die Zeichnungen waren kacke und es war kacke koloriert.“  Den kleinen Verlag, der Holtschulte damals eine Chance gab, gibt es heute ohnehin nicht mehr, die Jugendsünde ist fast vergessen.

Erfolg mit Apple

2009 trat glücklicherweise Lappan ins Cartoonisten-Leben. Bereits Jahre zuvor hat Holtschulte bei dem Verlag angefragt – ohne Erfolg. „2009 kam dann die Anfrage vom Verleger. Er hat meine Sachen im Internet beobachtet und mir gesagt, die Zeit sei reif, beim Sammelband ,Fiese Bilder 2‘ mitzumachen.“ Holtschulte machte mit. Kurz darauf hatte er die Idee zu einem Apple-Buch. Der Rest ist Geschichte.

Mehr als 50 Bücher tragen Holtschultes Handschrift. Mal ist er Teil eines Sammelbandes, dann Herausgeber oder er zeichnet das ganze Buch komplett. Das neueste Werk: das Malbuch des Todes. Angefangen hat das auf Facebook – mit einer seiner beliebtesten und berühmtesten Figuren. „Zum internationalen Tag des Malbuchs habe ich einen Tod zum Ausmalen auf Facebook gepostet“, sagt der „Tot, aber lustig“-Schöpfer. Die Fans reagierten. „Ich habe ganz viele  ausgemalt zurückgeschickt bekommen.“ Das rege Fan-Interesse sorgte auch bei Lappan für Interesse: „Meine Redakteurin im Verlag hatte dann die Idee zu dem Buch.“ In dem finden Fans nun viele Ausmalbilder, aber auch Rätsel, Gags und viel schwarzen Humor.

Michael Holtschulte hat schon viele Bücher rausgebracht. | Foto: Sebastian Ritscher

Für Holtschulte ist das neue Buch ein ganz besonderes. „Es ist ein Beispiel für die Demokratisierung des Sender-Empfänger-Modells. Die geht bei Facebook los, aber es ist nur eine konsequente Weiterentwicklung, dass sie in die Bücher geht.“ Ebenfalls etwas Besonderes: die neuen Stifte des Herstellers Tombow. Die sind passend zum Malbuch des Todes designt und von Holtschulte handsigniert. „Bei Profi-Musikern gibt es Signature-Gitarren, ich habe Signature-Stifte“, erklärt Holtschulte. Er kann stolz sein: „Soweit ich weiß, bin ich der einzige Cartoonist mit signierten Stiften.“

"Durchgetaktet bis 2022"

Und die Signature-Gitarre? „Das wird wohl nichts“, sagt der Zeichner. Zwar spielt er Gitarre und hat mit seiner Band sogar Newcomer-Wettbewerbe gewonnen, aber das ist lange her. Ebenso die Cartoonisten-Band, die es zeitweise gab. Nicht schlimm, der Hertener Holtschulte hat ohnehin genug zu tun. „Mein Kalender ist durchgetaktet bis 2022.“ Momentane Projekte: „Ich zeichne an zwei eigenen Büchern für 2018, illustriere ein Kinderbuch, arbeite mit Martin Perscheid an einer Anthologie  und hätte jetzt eigentlich Bock, wieder mehr mit Trickfilmen zu machen.“ So ist das eben: „Mich begeistert immer das, wofür ich keine Zeit habe.“ Immerhin hat er noch Zeit, mit Cartoon-Kollegen Oli Hilbring als „Zwei Stricher packen aus“ auf der Bühne zu stehen, an Ausstellungen teilzunehmen, selbst die Ausstellungsreihe „Cartoons im Pott“ zu organisieren und vor allem regelmäßig seine Facebook-Follower mit neuem Stoff zu versorgen. Das ist mitunter stressig. Aber so ist er eben: der Traum des Michael Holtschulte. Sebastian Ritscher

Gewinnspiel:

Bock auf ein Malbuch des Todes? Dann druckt euch den Ausmaltod aus, malt euch den Ausmaltod aus und fotografiert den Ausmaltod ab. Das Bild könnt ihr uns dann per Mail an sonderthemen@coolibri.de schicken. Wir veröffentlichen die Werke auf Facebook und verlosen unter den Einsendungen, die uns bis zum 24. Januar 2018 erreichen, drei Malbücher des Todes!