Flic Flac: McAloon zeigt seine Bälle

Der Globe of Speed | Foto: www.blende-64.de

Hereinspaziert! Hereinspaziert! Irgendwie mag der Klassiker unter den Zirkus-Animationssprüchen so gar nicht zu Flic Flac passen. Es wäre viel zu angestaubt für das, was diesen Zirkus eigentlich ausmacht. Die Weihnachtsshow in Dortmund feierte am 21.12. Premiere und präsentierte Zirkus eher in einem coolen und modernen Shirt als in einer abgewetzten Zirkusrobe.

Überraschenderweise war offenbar das, was die Zuschauer am allermeisten mitriss nicht die spannungsgeladene Artistik auf höchstem Sportniveau sondern einen schmaler, tapsiger Mann mit wilden roten Haaren und französisch-amerikanischem Akzent. Cotton McAloon kam, wie er es ausdrückte, um den Zuschauern seine Bälle zu zeigen. Der Joungleur überzeugte zwar auch mit dem, was er mit Keulen und Bällen so alles anstellen konnte – er begeisterte die Menge allerdings vor allem mit seinem Humor. Eine „I’m dead“-Parodie von Michael Jackson, lustige Übersetzungsfehler zwischen mehreren Sprachen, die er beherrscht, und „blöde Tricks“, die das Publikum offenbar viel lieber sehen wollte, als die hohe Kunst der Jonglage, wie er feststellte. Die Zuschauer quittierten die Nummer mit viel Mitmach- und Applausfreude. So sollte Zirkus sein.

Globe of Speed

Was bei einer Flic Flac-Weihnachtsshow traditionell nicht fehlen darf, ist die riesige Stahlkugel, in der zehn Motorrad-Künstler wild durcheinanderrasen. Direkt zu Beginn des zweieinhalb Stunden langen Zirkusabends rollte das 6,5 Meter hohe Ungetüm mit viel musikalischem Getöse in die Arena und spuckte zunächst alle Artisten des Abends aus seinem Bauch, bevor die Pinillio Moto Riders Fahrt aufnahmen. Auch wenn man den Globe of Speed bereits mal gesehen hat, lassen einem zehn Motorräder, die mit 70 Kmh auf engstem Raum wild durcheinanderrasen, doch etwas den Atem stocken. Irgendwie drängt sich der Vergleich mit einem riesigen Bienenstock kurz vor dem Angriff auf.

Für etwas Entspannung nach diesem Angriff der Killerbienen sorgte Jason Bruegger mit seiner Show an den Strapaten. Obwohl eigentlich nur er entspannt aussah, so wie er in zig Metern Höhe direkt unter der Zeltdecke an zwei Bändern hing. Spätestens als sich sein Fuß scheinbar mitten in einem Kunststück urplötzlich aus der Schlaufe löste und er nur noch an einem Knöchel hängend von der Decke baumelte, ging ein Raunen durch das Zelt. Well done, lieber Herr Bruegger: Es passiert nur noch selten, dass einem Artisten ein echter Schreckmoment in einer Zirkusshow gelingt. Irmine Estermann 

Barto: Comedy trifft Schlangenmensch. | Foto: Irmine Estermann