Von der Grünen zur Tanzhauptstadt: Tanzplattform 2018

Hauptspielort: PACT Zollverein | Foto: Axel Hartmann

Im März kommenden Jahres wird Essen für fünf Tage bei der „Tanzplattform 2018“ zur Hauptstadt des deutschen Tanzes. Aus hunderten Produktionen haben das Team von PACT und eine vierköpfige Jury – Elisabeth Nehring, Kulturjournalistin aus Berlin, Scarlet Yu, Künstlerin/Choreografin aus Hong Kong und Berlin, Leonie Otto, Tanzwissenschaftlerin aus Frankfurt, Bruno Heynderickx, Kurator am Hessischen Staatsballett Darmstadt-Wiesbaden – zwölf herausragende ausgesucht. Im Interview mit Honke Rambow verrät das Team wohin es geht:

Wie ist die Programm-Tendenz?

Gesucht haben wir Positionen mit starken Anliegen, die wichtige Fragen stellen und vielfältige Perspektiven eröffnen – das haben wir sowohl bei kleinen, freien Produktionen bis hin zu allein arbeitenden Künstlerinnen wie auch bei großen Kompanien gefunden.

Was sind die Innovationsmotoren? Städtische Compagnien oder freie Szene?

In der freien Szene herrscht eine wesentlich größere Freiheit bei der Wahl der Mittel und der Vielfalt der Formen und Themen. Auf der anderen Seite ist sie beschränkt in ihrer organisatorischen und finanziellen Leistungsfähigkeit, hier können staatliche Kompanien viel mehr leisten. Und es gibt eine Reihe städtischer Kompanien, die sich für neue Formen und Themen öffnen, und mit Choreograf*innen der freien Szene zusammenarbeiten.

Gibt es thematische Schwerpunkte im aktuellen Tanzgeschehen?

Das Spiel mit Formen, Präsentationen, Raum und Zeit, was sich auch darin niederschlägt, dass die performativen Künste in andere Räume eingeladen werden – in Museen und Galerien. Inhaltlich beschäftigen sich viele Produktionen mit gesellschaftlichen, politischen und sozialen Fragen wie etwa der Auseinandersetzung mit dem Fremden.Was ist stilistisch gerade aktuell? Zeitgenössisches Ballett, Tanztheater, moderner oder zeitgenössischer Tanz, Performance?Alle Formen sind präsent, werden sowohl in der freien Szene als auch am städtischen Ballett gepflegt und bringen starke Positionen hervor. Die Aktualität ergibt sich letztendlich über ihr Anliegen, dadurch wo und wie sie kraftvoll werden und für das Publikum erfahrbar sind.

Wie stark ist die deutsche Tanzszene? Reichen zwölf Produktionen als Abbild?

Nein, natürlich nicht, sie können nur ein Schlaglicht auf die aktuelle Arbeit werfen. Neben diesen Produktionen wird es Formate des Austausches, der Diskussion und der Debatte geben. Die Tanzplattform ist eine der größten Fachveranstaltungen dieser Art mit fast 500 Fachbesuchern aus aller Welt, dieses Potenzial nutzen wir, um auch über größere Themen zu sprechen, die uns alle innerhalb der Gesellschaft angehen. Kunst und Tanz sollen sich ja nicht abkoppeln vom Leben, sondern mitten drin sein, Themen aufnehmen und bearbeiten.

Tanzplattform 2018: 14.-18.3.2018, Essen und Gelsenkirchen