Theaterlandschaft neues Arabien: Zu Gast in Mülheim

Szene aus Art War | Foto: Marco Wilms

Syrien, Ägypten, Libanon alles Länder, die man als Deutscher vor allem als Kriegsschauplätze einordnet. Auch die Hoffnung auf einen Neuanfang nach dem Arabischen Frühling 2011 ist mittlerweile nur noch ein kleiner Funken, der immer wieder von Islamisten, Militärs und alten Obrigkeiten bedroht wird. Für Theatermacher, die kontroverse, politische Stücke machen eine gefährliche Zeit: Wie viel muss ich offen sagen, was bleibt besser zwischen den Zeilen? Das Theater an der Ruhr hat in seiner Reihe „Theaterlandschaft neues Arabien“ im November und Dezember richtungsweisende, arabische Theatermacher mit ihren aktuellen Stücken nach Mülheim eingeladen.

Bei der Theaterinstallation „Truth Box“ der Tunesierin Meriam Bousselmi wird der Zuschauer zum Beichtvater. Jeweils 8-10 Minuten sieht man sich einem Schauspieler allein gegenüber, der einem seine Selbstzweifel, Sünden und Geheimnisse anvertraut. Man selbst wird dabei gleichzeitig zu Freund und Richter, der über Vergebung und Lösungen entscheiden muss.

Die Arbeiten des Libanesen Issam Bou Khaled setzen sich stets mit der libanesischen Bürgerkriegsgeschichte auseinander, die einen bitter an die aktuelle Situation in Syrien erinnert. „Die Leute sprechen vom Krieg, der Zahl der getöteten Menschen wie von einem Kilo Gemüse,“ erläutert Khaled den libanesischen Alltag. In Mülheim präsentiert er gleich drei seiner aktuellen Stücke. In „Die schwarze Schachtel“ beschließen ein gefallener Engel und zwei im Krieg ermordete und vergewaltigte Frauen gemeinsam eine Idealgesellschaft zu bilden. „Page 7“ transportiert eine frei Interpretation der Charaktäre Vladimir und Estragon aus Becketts „Warten auf Godot“ in eine libanesische Alltagssituationen. In seiner 3. Produktion hat Bou Khaled mit der Gehörlosentheatergruppe des islamischen Waisenhauses von Beirut zusammengearbeitet. Das daraus entstandene Stück „Welt ohne Stimme“ skizziert das Leben eines Gehörlosen im Libanon und seine Rolle in der dortigen Gesellschaft.

Außerdem zu Gast sein werden die libanesische Performance Künstlerin Swasan Bou Khaled mit ihrem Stück „Alice“ und der Dokumentarfilmer Marco Wilms der seinen Film „Art War“ über die jungen Ägypter des arabischen Frühlings, die mit Graffitis, rebellischer Musik und Kunst versuchen ihre Revolution zu retten.

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