Stumme Zeugen: Clowns 2 1/2 in Mülheim

| Foto: Andreas Köhring

Oh Gott, oh Gott, oh Gott“ sind die einzigen Worte des Heimleiters an diesem Abend. Denn in der Wohngemeinschaft der abgeschobenen Alten und Einsamen herrscht Sprachlosigkeit. Der Tagesablauf besteht aus aufstehen, Zeitung lesen, in den Fernseher starren, schlafen gehen. Und wenn die Insassen mal nicht artig sind, kommt der Anstaltschef mit der Windmaschine und pustet die Bagage von der Bühne. Im Zeitlupentempo kugeln die acht Darsteller ins Off.

Roberto Ciulli schafft in „Clowns 2 ½“ eine Bildercollage im fast leeren Bühnenraum. Es wird gestorben und wieder aufgestanden, Gemeinschaft geübt beim gemeinsamen Musizieren und leise aufbegehrt. Da gibt es einen sensiblen Klassikliebhaber, eine feine Dame mit Pelzmütze, eine Ballerina mit verschmierter Clownsschminke, einen Einzelgänger im Jogging-Outfit. Detailreich ausgestattet, verkörpern sie unterschiedliche Clownstypen und agieren in der Tradition der pantomimischen Kunst – mal mehr, mal weniger überzeugend. Und so fehlt es der Inszenierung auch nicht an tölpelhaften Stolpernummern, die aber stets in den Gesamtrhythmus eingebettet sind.

Die Inszenierungsidee ist so einfach wie wirkungsvoll und dazu trägt die Musik von Matthias Flake, der in der Rolle des eleganten Weißclowns am Klavier sitzt, entscheidend bei. Seine Pianoklänge untermalen mal wehmütig, mal fröhlich die Szenerie. Die Darsteller reißen, knüllen oder schlagen mit Zeitungen im Takt dazu. Auch die Medikamentenausgabe wird zum illustren Pillenkonzert. Das Publikum amüsiert sich und sympathisiert mit den stummen Zeugen einer zweifelhaften Alltagspraxis.

Das trägt gerade so über die eineinhalb Stunden und endet in einem Aufstand der Befreiung der Heimbewohner, die sich mit geeinter Kraft und wehender Fahne gegen die Windmaschine des Heimleiters stemmen. Ein Freiheitskampf, der nur den Clowns vorbehalten ist.

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