Mitternacht in Körperwelten

| Foto: Alina Meyer

Freitagabend, kurz nach elf. Im Foyer der Bochumer „Körperwelten“ an der Hermannshöhe versammeln sich exakt fünfzig coolibri-Gewinner für die exklusive Mitternachtsführung durch die immer noch kontrovers diskutierte Schau.

Vielleicht liegt es an der späten Uhrzeit oder auch an diesen dunklen Novembertagen zwischen Halloween und Totensonntag, dass sich gleich von Anfang an ein gewisses mulmiges Gefühl unter den Gästen breitmacht. Zumal man getreu des Ausstellungstitels „Der Zyklus des Lebens“ hier direkt zum Start mit einer Reihe ausgestellter Föten konfrontiert wird. „Die Babys konnten nicht gefragt werden, ob sie das möchten, das finde ich grenzwertig“, kommentiert eine Besucherin scharf und begibt sich zügig in den nächsten Raum.

Dort warten schon Präparate wie „Die Bogenschützin“, „Der Ringturner“, „Die Pokerrunde“ und „Der Skispringer“ auf die staunende Schar. Ist das noch Wissenschaft oder schon Kunst, ist die Frage, die hier die meisten bewegt. Von verlegenem Gekicher bis hin zu betretenem Schweigen reicht die breite Palette der Reaktionen. „Nicht lachen, sonst wirst du gleich zwangsplastiniert“, meint ein Gast schmunzelnd zu seiner Freundin, während eine andere Besucherin ganz ergriffen feststellt: „Ich sehe hier die Schönheit und das Wunder von Gottes Schöpfung.“ Eine andere steht beeindruckt vor dem plastinierten Bären und wundert sich: „Ich wusste gar nicht, dass die so groß werden.“

Eine durch Leukämie vergrößerte Milz, eine schwärzliche Raucherlunge, der endlos lange menschliche Darm: Die exponierten menschlichen Organe regen die einen dazu an, über den eigenen Gesundheitszustand und ihre körperlichen Gebrechen zu reden, während die anderen anfangen, ganz allgemein über das Leben, den Tod und die Vergänglichkeit des Seins zu sinnieren. „Ich kann überhaupt nicht ausblenden, dass das alles ja irgendwie ,echt’ ist. Das ist schon beklemmend“, flüstert einer der coolibri-Gewinner seiner Begleitung zu. „Gesichter des Todes“, murmelt ein anderer.

Am Ende des Rundgangs wartet noch das besonders umstrittene „Liebespaar“ beim Geschlechtsakt auf die Gruppe. Manche nehmen den Anblick gelassen hin, andere nennen das Exponat „geschmacklos“, und ein Teil der Gäste spart sich diesen Schlussteil der Ausstellung lieber komplett. „Ich fand’s eklig. Gut, dass es jetzt vorbei ist“, resümiert eine Besucherin; „Ich fand’s zu kurz“, findet ein anderer. Mittlerweile ist es kurz vor eins, die Führung ist beendet, und um eine für alle Anwesenden unvergessliche Erfahrung reicher entlassen die „Körperwelten“ ihre Besucher zurück in die kalte Novembernacht.

Klassische Weihnachtsmärkte in NRW

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