Yin Xiuzhen: Erinnerungslandschaften zwischen lokal und global

Unbearable Warmth, 2008 | Foto: Courtesy of the Pace Gallery, Beijing

Dass Künstlern aus China hierzulande eine Ausstellung gewidmet wird, ist – abgesehen vom großen Ai Weiwei – immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Die Düsseldorfer Kunsthalle wagt ab dem 15. Dezember einen Blick auf eine künstlerische Position aus dem Reich der Mitte. Mit Yin Xiuzhen hat man eine der wichtigsten Künstlerinnen Chinas eingeladen. Für die Dame, die bis heute in Peking lebt und arbeitet, ist es die erste große Einzelausstellung in Europa überhaupt. Dabei kann Yin bereits auf einen viel beachteten Auftritt bei der Biennale Venedig in 2007 verweisen. Und auch im New Yorker MoMA waren 2010 Arbeiten von ihr zu sehen.

Für ihre skulpturalen Werke und Rauminstallationen verwendet die Künstlerin alltägliche Fundstücke. Aus Altkleidern, Schuhen oder Möbelstücken entsteht bei ihr Kunst. Sie baut, näht, setzt zusammen, entfernt die Dinge von ihrer jeweiligen Vorgeschichte und stellt sie in einen neuen Kontext mit neuer Geschichte. Yin beschäftigt sich mit Transformationsprozessen, die häufig mit ihren persönlichen Erinnerungen einhergehen. So thematisiert sie beispielsweise die Architektur und Infrastruktur Pekings, die einem ständigen Wandel unterliegen und somit immer weniger als Erinnerungsträger taugen. Zudem interessiert sie die Frage nach den individuellen Lebensbedingungen des Menschen in einer globalisierten Welt – unabhängig von einem spezifischen Kulturkreis. Dabei wird der Betrachter nicht ausschließlich mit persönlichen Erinnerungen der Künstlerin konfrontiert, vielmehr wird er selber zentraler Teil der Yin’schen Installationen. Das künstlerische Spiel mit der alltäglichen Formensprache und Materialität (neben Textilien finden auch häufig Holz, Zement oder Schiefer Verwendung) hat zur Folge, dass sich Versatzstücke aus dem Erinnerungsfundus des Betrachtenden mit Bildern mischen, die bereits dem kulturellen Gedächtnis angehören.

Für die Arbeiten, die eigens für die landeshauptstädtische Schau entstanden, verwendete Yin übrigens Altkleider von Düsseldorfer Bürgern. Zu bunten Skulpturen vernäht, wirken sie einerseits poetisch und sind dennoch gleichzeitig kritischer Verweis auf die nach Asien ausgelagerte Textilindustrie und ihre häufig katastrophalen Arbeitsbedingungen.

Yin Xiuzhen: 15.12.17.2. Kunsthalle, Grabbeplatz 4, Düsseldorf, DiSo 1118 Uhr

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