Strafe muss sein!? LCB zeigt Kunst gemacht hinter Gittern

Das Fragezeichen gibt es vor. Der Ausruf „Strafe muss sein!“ wird in Frage gestellt – eine Anregung, sich mit der konventionellen Forderung auseinanderzusetzen. Aber der ausführende Verein, der hinter dieser Projektarbeit steht, heißt auch ganz unkonventionell „Unter Wasser fliegen“. Das Projekt: Nicht weniger als künstlerisches Arbeiten mit Jugendlichen und jungen Straftätern innerhalb und außerhalb von Gefängnissen.

Kein Spaziergang. Und Projektleiterin Kordula Lobeck de Fabris betont: „Ich bin keine Sozialarbeiterin!“ Vielmehr geht es ihr darum: „Über kreative künstlerische Arbeit gelingt es, gerade die Insassen von Jugendgefängnissen und gefährdete Jugendliche, die sich in Erziehungshilfeprogrammen befinden, zu motivieren, sich mit ihrer eigenen Geschichte, ihrem Verhalten und ihren Zukunftsperspektiven auseinanderzusetzen. Über die Teilnahme an den Kreativwerkstätten können sie eigene Stärken entdecken und über die Präsentation der Arbeitsergebnisse Anerkennung erhalten.“ Die Ergebnisse dieser Projektarbeiten werden in Form einer Multimedia-Installation und Ausstellung präsentiert, die neben der medialen Präsentation (Fotos, Bilder, Texte, Videoarbeiten etc.) auch performative Live-Elemente enthält.

Die Multimedia-Installation zeigt fragmentarisch in Bild-, Ton- oder Klanginstallationen die Ergebnisse der künstlerischen Arbeit und des kulturellen Austausches. Der Medien-Künstler Tobias Daemgen von den Raum-Zeit-Piraten entwirft ein multimediales Konzept speziell für den Ausstellungsort, wobei die Räumlichkeiten – die verschiedenen Räume, Nebenräume, Bühnenräume und „Sackgassen“ des LCB im Haus der Jugend Wuppertal Barmen – das bestimmende Element darstellen. Bilder, Klänge und Objekte aus der Installation werden mit optischen und akustischen Fragmenten aus der Umgebung verbunden. Schattenspiele, Projektionsblitze, Geräusch- und Klangfetzen, Textfragmente – die durch Spiegelkonstruktionen, Gitter und Säulen und Türen fragmentierten Videosequenzen zeichnen ein zerrissenes Bild zwischen Verzweiflung und Hoffnung, Innen und Außen, dem Wunsch nach Freiheit hinter verriegelten Türen. Die Installation will versuchen, eine Ahnung der komplexen Welten der hinter Gefängnistüren weggeschlossenen jungen Menschen zu geben. Kordula Lobeck de Fabris: „Das ist doch mal Kulturarbeit, die sinnvoll ist.“