Piratengeschichten und Feenzauber: Peter Pan im Grillo Theater

| Foto: Diana Küster

Zarte Lichtstrahlen laufen vom hintersten Teil der Bühne aus direkt in den Zuschauerraum hinein und lassen den Bühnenraum unergründlich tief erscheinen.

Im Zentrum dieses Kosmos steht ein verwunschenes Piratenschiff, von den Spuren der Zeit gezeichnet. Die zerlodderten Segel sind eingestrichen, Algen und Netze haben den Bug erobert. Mitten in dieser Szenerie liefern sich Peter Pan und die verlorenen Jungen ein spannendes Abschlussduell mit ihrem Widersacher Kapitän James Hook und seinen Spießgesellen.

Weihnachtszeit ist Wunderzeit und so inszeniert das Essener Grillo-Theater die Geschichte des Jungen, der nie erwachsen werden will mit viel Liebe zu romantischen Details und Platz zum Träumen und Staunen. Besonders die von Franziska Gebhardt gestaltete Bühne lässt nicht nur kleine Augen größer werden. Neben dem eingangs beschriebenen Piratenschiff überzeugt auch der Unterschlupf der verlorenen Jungen, ein alter knochiger Baumstumpf mit endlos verschlungenen Wurzeln. Und immer wieder verleihen Licht und Nebel dem Geschehen einen mystischen Anstrich.

Foto: Diana Küster

Die Inszenierung von Henner Kallmeyer übernimmt die Charaktere des Kinderbuchklassikers, so wie sie sind. So ist Silvia Weiskopf ein Peter Pan, der Wendy und Tigerlilly zwar heldenhaft befreit und dem Schurken Hook immer wieder auf der Nase rumtanzt, doch gleichzeitig ist er auch ein gedankenloser Junge, der einen Fingerhut nicht von einem Kuss unterscheiden kann. Wendy, das brave Mädchen aus gutem Hause, versucht es trotzdem immer wieder, ihrem Peter vielleicht doch ein kleines Liebesgeständnis abzuluchsen. Vergeblich, ihre Rolle bleibt die der fürsorglichen Mutter. Gäbe es die Figuren der Essener Peter-Pan Version als Sammelfigur, wäre Tinkerbell (Barbara Hirt) vermutlich längst vergriffen. Kostümiert als futuristische Feen-Elfe im weißen Kleid, bestückt mit hunderten von Lichtern, wirbelt sie über die Bühne und piepst in ihrer Feensprache allerlei Schabernack in Peters Ohr, um ihre Konkurrentin Wendy aus dem Weg zu räumen.

Wilde Piraten, spannende Schwertkämpfe, verwunschene Feen, und ein tickendes Krokodil, genau wie das Original, hat auch die Essener Inszenierung alles was es braucht, um eine fesselnde und lustige Geschichte zu erzählen. Über die 50er Jahre Moral über treusorgende Mütter und Ehefrauen, hilflose Mädchen und abenteuerlustige Jungen, lässt sich angesichts dessen hinwegsehen – Die Kinder im Publikum sind dafür mittlerweile ohnehin zu clever!

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