Nachbericht Jason Mraz-Konzert

Jason Mraz

Viel Zinnober, wenig Vokale

Winter 2003. Ich lade ein paar Freunde zum Plätzchen backen ein. Nach zwei Stunden rollen, kneten und verzieren sind wir der trällernden Weihnachtsmusik überdrüssig und ich lege stolz meine Hintergrundsmusik-Neuentdeckung in die Anlage: Jason Mraz mit dem Live-Album TONIGHT, NOT AGAIN. Ich wippe summend am Plätzchentisch und freue mich, bis mich ein Freund plötzlich fragt, ob wir vielleicht Musik hören könnten, die nicht nur aus Vokalen besteht. Das wundert mich, da ich genau das ziemlich toll finde. Einfach eine schöne Stimme, Gitarre und Percussion mit leichtfüßigen Texten über Liebe und Ausschlafen und eben vielen As, Es, Is, Os und Us.

2008 konnte ich mir dann endlich live ein Bild machen und tanzte zum mittlerweile vierten Album „WE SING. WE DANCE. WE STEAL THINGS“ des amerikanischen Singer/Songwriters im Luxor in Köln. Das Konzert war genauso, wie ich es erwartet hatte: Mraz war lustig, sang gefühlvoll, war nahezu allein auf der Bühne und klang eben wie auf seinem Live Album.

Jetzt gab es endlich wieder die Gelegenheit, den mittlerweile mit zwei Grammys ausgezeichneten Sänger live zu sehen: Am Sonntagabend machte er mit seiner „Tour is a four letter word“-Tour in Düsseldorf Halt. Auf dem Ticket stand „Jason Mraz and his band“ und das war es auch, was die Zuhörer geboten bekamen. Insgesamt neun Musiker scharten sich auf der professionell ausgeleuchteten Bühne vor Mega-Videoinstallationen um den erst 35-jährigen Sänger. Mit dieser Big Band im Rücken wirkte er aber älter und es wurde deutlich, dass aus dem durch kleine Clubs tourenden Mann mit vorwiegend Geschichten, Liedern und einer Gitarre im Gepäck mittlerweile ein ziemlicher bekannter Künstler geworden ist. Nichts blieb dem Zufall überlassen, das Konzert startete und endete exakt zur angegebenen Zeit und jedes Lied wurde von passenden Video- und Lichteinstellungen begleitet. „Zu viel Zinnober“, findet meine Begleitung anfangs, ich betrachte die Inszenierung und nicke, obwohl das neue Album eigentlich drauf schließen ließ, dass Mraz mittlerweile eher dem Pop-Genre zugerechnet werden kann. „Welcome to the show“, begrüßt uns der Amerikaner um kurz vor neun, nach einem grandiosen Support von Imany (die sogar so toll war, dass die Platte THE SHAPE OF A BROKEN HEART bereits auf dem Wunschzettel steht). Die Mitsubishi Electric Halle war leider nur dreiviertel voll, dafür aber mit einem breit gefächerten Publikum bestückt, die Imany offenbar ebenso toll fanden und ihr lange nachklatschten.

Natürlich ist Jason Mraz weiterhin ein fantastischer Musiker. Sein Gesang, seine Leichtfertigkeit, seine schönen Geschichten und sein obligatorischer Hut sind ihm in all den Jahren nicht verloren gegangen. Aber seine Vokale, die hat er aufgegeben. Diese Stellen werden von technisch perfekten Soloeinlagen seiner Musiker gefüllt. Und wie! Vor allem Mona Tavakoli, zuständig für Background-Gesang und Percussion, machte dabei auf sich aufmerksam. Ich möchte das Wort „Powerfrau“ eigentlich nicht schreiben, aber es drängte sich einfach auf, wenn man ihr – besonders beim Duett mit Mraz bei „You Fckn Did It“ – zusah. Frauen in der Band zu haben, findet Mr. A bis Z übrigens prima. Sie würden ihm helfen, die Bedürfnisse seines Publikums besser einschätzen zu können, erzählt er den begeisterten Fans in Düsseldorf. Außerdem erklärte er, was er inzwischen über Frauen gelernt hat: „Sometimes they forget about their own greatness. Then you have to love her back into the woman that she was.“ Sprach’s und intonierte „The Woman I Love“.

Später gratulierte er Deutschland zur Rolle als „environmental leaders“ und dankte zum Schluss dem Publikum, dass sie ermöglichen, dass er seinen Traum leben kann: „That you chose to come with your friends to hang out and listen to me gives me the best life I have ever imagined.“ Die Zugaben spielt er sitzend, die Band dicht um sich geschart und ändert beim Cover „Going Up The Country“ von Canned Heat die Zeile „I’m gonna leave the city“ in „I don’t wanna leave germany“. Um 22:45 Uhr  endet das Konzert in Begeisterungsstürmen - und ich habe mich ebenfalls an die Veränderung gewöhnen können. Der Herr ist eben vielseitig. Von A bis Z, von Singer/Songwriter bis Superstar, von Querflöte über Babysaxofon bis Cajon und von vorne bis hinten.

Setlist

1.     Sunshine Song

2.     Living In The Moment

3.     The Remedy

4.     Love For A Child

5.     Somewhere Over The Rainbow (Cover)

ging über in Up

6.     Bella Luna

7.     Only Human

8.     Plane

9.     Details In The Fabrik

10. Frank D. Fixer

11. The Woman I Love

12. Lucky

13. Make It Mine

14. Live High

15. Butterfly

16. Signed, Sealed, Delivered, I’m Yours (Cover)

ging über in I’m Yours

und 3 Little Birds (Cover)

17. You Fckn Did It

18. I’m Coming Over

19. Going Up The Country (Cover)

 

Zugaben:

20. Don’t Wake Me From This Dream

21. 93 Million Miles

22. I Won’t Give Up