„Moby Dick“ am Dortmunder Theater im Depot

| Foto: Martin Bross

Fischers Fritz jagt den Weißen Wal

Es gibt unzählige Möglichkeiten, diese Geschichte zu erzählen. Wie Herman Melville auf gut 1 000 Seiten, wie Hollywood in Schwarzweiß, wie Christian Brückner auf 26 CDs oder wie jene neue englische Kinderbuchausgabe in gerade mal zwölf Wörtern: Seemann. Schiff. Kapitän. Bein. Verrückt. Segeln. Fang. Wal. Jagd. Zerschellen. Sinken. Treiben. „Moby Dick“ beschreibt eine Reise ins Ungewisse – und auch die neue Dortmunder Produktion weiß nicht so recht, wo’s hingehen soll.

Eine seltsam schöne Choreographie von Badegästen und Strandkabinen verwandelt die Holzhütten in das Walfängerschiff Pequod, das Ensemble reihum in Ahab, Ismael, Queequeg, Starbuck und den Schiffsjungen Pip. Die Jagd nach dem weißen Wal beginnt. Das Schau-Spiel gerät immer dann lustig, wenn’s Spiel und lustig sein soll – die Reste von Melvilles ernsteren, tragischeren, philosophischeren Passagen wollen nicht immer treffen. Sandra Wickenburg ist köstlich als Polynesier mit Schrumpfkopfharpune, strauchelt aber letztlich an Ahabs Wahnsinn. Jörg Hentschel nennt sich Ismael und singt von Fischers Fritz, überlebt das Drama aber eher gelassen. Thomas Kemper und Cordula Hein zeigen viel komödiantisches Talent darin, Melvilles ausuferndes Walfänger-Wiki wie die Sendung mit der Maus zu präsentieren – ihr angekündigter Untergang berührt indes nur bedingt. Zumal Martin Bross’ Regie vor dem Höhepunkt der Jagd und dem Ende Ahabs komplett die Segel streicht, das Ensemble von Bord nimmt und mit Video- und Toneinspielungen auf die Multimedia-Taste drückt – und dann viel zu schnell auf „Reset“ zur Ausgangssituation.