Kein Dialog mit der Kulturszene

Tim Isfort | Foto: Helmut Berns

2013 kehrt das Duisburger Traumzeit-Musikfestival vom 21. bis 23. Juni in den Landschaftspark Nord zurück. Der diesjährige Ausfall hatte bei vielen Fans für Enttäuschung, Querelen hinter den Kulissen und die Kündigung von Tim Isfort gesorgt. Im coolibri-Gastkommentar blickt der ehemalige Künstlerische Leiter skeptisch auf die Neuausrichtung des Festivals.

Ich finde es wichtig, dass Duisburg ein gutes Festival hat. Aus drei Gründen bin ich aber besorgt über die Zukunft der „Traumzeit“: Man will sich jetzt mehr in Richtung Indie-Pop/Rock orientieren – von „den großen Jazznamen“, „dem Thema Weltmusik“ und von Sonderprojekten jedoch trennen. Genau diese musikalische Entdeckungsreise, die Möglichkeit zum Staunen war es aber, die „Traumzeit“ so unverwechselbar und „nischig“ gemacht hat. Zusammentreffen wie Helge Schneider mit Chilly Gonzales, Shout Out Louds mit den Duisburger Philharmonikern oder Musik aus dem wieder erwachenden Birma sind Beispiele für den Instinkt und den Mut dieses Festivals gewesen. Wenn Duisburg nun versucht, sich zwischen Haldern-Pop, Juicy Beats oder Bochum Total zu etablieren, wird dies nicht leicht – und man begräbt die Möglichkeit, sich in der europäischen Festivallandschaft intelligent aufzustellen.

Die Künstler, die Szene, die „Macher“, die sich einbringen wollten, werden nicht in den kreativen Prozess einbezogen – obwohl dies ausdrücklich von der Politik per Ratsbeschluss gefordert wird. Der Verein „Traumzeitretter“ hat über 29 000 Euro Spendengelder gesammelt und wird von der Stadt ignoriert. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese „neue Traumzeit“, die ohne künstlerische Leitung funktionieren soll und jetzt von Leuten „übernommen“ wurde, die keinen Dialog mit der Kulturszene betreiben, von Künstlern und Publikum mitgetragen und angenommen wird. Dabei hätte ein gemeinsames „Ding“ in dieser Stadt so viel mehr Potenzial!

Für 2013 steht nach dem Krisenjahr 2012 ironischerweise mehr Geld zur Verfügung als je zuvor. Mit der achtfachen Summe an städtischen Mitteln wie bisher sowie helfenden Landesmitteln können für 2013 publikumsträchtige Namen gebucht werden, der Erfolg scheint vorprogrammiert. Doch was bleibt von der „Traumzeit“ ab 2014, wenn das Volumen wieder auf etwa die Hälfte schmilzt, die (einmaligen) Landesgelder nicht mehr kommen, weniger als die Hälfte der städtischen Mittel vorhanden sind – die Duisburger „Akzente“ als weiterer Kulturbudgetposten fallen lediglich 2013 einmalig aus – und die Eintrittseinnahmen wieder sinken sollten?

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