Interview mit Maximilian Rambaek

Regisseur Maximilian Rambaek | Foto: Marc Theis

Der SOAP-Regisseur im Gespräch

Von Ihnen stammt der Satz ‚Die Badewanne ist ein Ort der Intimität’. Sind Sie selber eher der Bade- oder Duschtyp?

Durch die fehlende Zeit bin ich eher der Duschtyp. Aber ich genieße es schon ab und zu, ein Bad zu nehmen. Dann auch so richtig mit Entspannungsaromaöl und Schwuppdiwupp.

Wie sieht ein optimales Badeerlebnis im Hause Rambaek aus?

Es sollte wirklich entspannt sein, und danach wird auch nichts mehr gemacht. Nicht so wie beim Duschen, dass man dann frisch das Haus verlässt. Nach dem Baden kann man sich eher entspannt auf die Couch packen.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt, dass man in der Badewanne Dinge tun könne, die anderswo nicht möglich seien. Welche Aktivitäten meinen Sie speziell?

Zum Beispiel das Singen. Man ist ja ganz für sich im Bad, dazu gibt es den schönen Effekt des Halls, den man sonst nur mit Hilfe von Mikrophon und Tonfilter erleben kann. Oft macht man das einfach, weil man durch die Entspannung zu sich kommt, anfängt zu sinnieren und sich absolut unbeobachtet fühlt. Das ist das Interessante daran. Diese Intimität im Bad haben wir auch beim Proben zu „SOAP“ immer wieder gemerkt. Häufig nimmt man sich ja einen Tisch und einen Stuhl, um eine Szene anzuspielen. Wir hatten aber die Badewannen und es gab deshalb schnell eine gewisse Natürlichkeit. Die Akteure haben sich sofort wohlgefühlt. Man hat gemerkt, dass die Entspannung einsetzt. Ein ganz natürlicher Umgang mit diesem Requisit. Wahrscheinlich deshalb, weil man dahingehend geprägt ist, dass die Badewanne ein Rückzugsort ist.

Und wie ist die Öffentlichkeit damit zu vereinbaren? Bleibt das Gefühl, auch auf der Bühne?

Ich denke, das Gefühl bleibt schon zum Teil. Es ist natürlich nicht genau das Gleiche, aber das ist als Performer ja sowieso selten, dass man weiß: Das ist jetzt privat, das ist öffentlich. Natürlich sind die Geschichten, die wir in die Badewannen gebaut haben, auch nicht alltäglich.

Um noch einmal aufs Baden zurückzukommen: Wie sieht denn Ihr Bad aus? Haben Sie eine Badewanne?

Ja, ich habe eine Badewanne. In meiner neuen Wohnung habe ich ein relativ großes Badezimmer, das ist sehr angenehm. Das Zimmer hat weiße Kacheln, die sich leicht absetzen und ist lila gehalten. Zugegebenermaßen ist das Badezimmer mein SOAP-Deko-Ort. Alle möglichen Poster, Plakate und Überbleibsel der mittlerweile schon fünf Jahre, in denen die Show läuft, hängen dort. Es soll eigentlich kein Schrein sein, könnte rein optisch aber schon so genannt werden. In meinem Büro habe ich tatsächlich nur ein ganz kleines Foto.

Wenn Sie persönlich baden, welches ist Ihr liebster Badeduft?

Da muss ich zugeben, ich bin kein Experte auf diesem Gebiet. Ich nehme immer das, was gerade da ist. Meine Freundin hat mal eine Proben-Sammlung zusammengestellt, da greife ich dann zu. Meistens nehme ich aber die Flasche, auf der „entspannend“ steht.

Was war Ihre außergewöhnlichste Bewegung auf, an oder in einer Badewanne?

(lacht) Ich habe früher ziemlich viel Basketball gespielt, leistungssportmäßig. Da habe ich in der Dusche mal einen Krampf bekommen. Dieser wurde so heftig, dass ich mich komisch hingestellt habe und auch noch im zweiten Bein einen Krampf bekam. Schließlich bin ich rückwärts aus der Dusche rausgefallen. Zum Glück ist nichts passiert, ich habe aber noch den ganzen Vorhang mitgerissen. Sonst ist aber nichts passiert. Die Bewegung ist also eher ein Missgeschick, mit etwas Stylischem kann ich mich nicht brüsten.

Quietscheente, ja oder nein?

Nein. Die Ente bleibt draußen!

Ist die Idee zu „SOAP“ denn eigentlich auch im Badezimmer entstanden?

Soweit ich weiß nicht. Die Grundidee zur Show hatte ja mein Kollege Markus Pabst. Er hat damals in einer Show in München mit einem Künstler zusammengearbeitet, der eine Darbietung in der Badewanne gemacht hat und fand das damals schon interessant als Thema und als Bild. Das war auch nicht das erste Mal, dass eine Badewanne auf der Theaterbühne vorkam. Aber er hatte sich überlegt, die Badewanne mit den Zirkusdisziplinen zu vereinen. Und dann hat er die Badewannendarbietung von David O’mer kreiert, der mittlerweile auch seine eigene Karriere gemacht hat und mit der Show „La Soirée“ weltweit auf Tour ist. Markus und ich hatten zu diesem Zeitpunkt schon viel zusammengearbeitet und es kam die Idee auf, eine Show komplett mit Badewannen zu machen. Als es 2007 zur Umsetzung kam, hat er mich angesprochen, ob ich Lust hätte, daran zu arbeiten. Daraufhin haben wir gemeinsam das Skript kreiert und geschaut, was eigentlich so geht.

Es gab aber noch einmal eine Veränderung in der Show, oder?

Eine Nachbearbeitungsphase, genau. 2009 haben wir das gestartet. Es ging gar nicht darum, neue Ideen zu entwickeln, sondern darum, zu schauen: Welche Ideen sind besser als andere und auf welche konzentriert man sich? Über diese lange Zeit haben wir es erstmal kleiner produziert, fürs Familientheater. Die erste Kreationsphase um die Show zusammenzubasteln hat ungefähr vier Wochen gedauert. Während der Spielzeit kamen immer mehr kleine Sachen dazu, viele Ideen standen im Raum. Es war aber auch wichtig, dass wir gemeinsam mit der Produktionsfirma noch einmal geschaut haben, welche Ideen funktionieren, auch in Bezug auf Kontext und Dramaturgie und auf welche fokussiert man sich. Das war die Nachbearbeitungsphase 2009. Seither ist die Show im Grundgebilde auch genauso geblieben.

Seither ist auch ein weiblicher Clown als roter Faden präsent?

Wir erzählen ja keine klassische Geschichte von A bis Z, keine Heldengeschichte oder ähnliches. Es gibt einen Comedian, der oder vielmehr die sich eher zufällig in der surrealen Welt der Badewannen aufhält und dort auf die Bewohner trifft. Das ist der rote Faden. Die Show hat allerdings keinen größeren Plot. Es ist vielmehr so, dass man immer wieder die Möglichkeit schafft, in verschiedene kleine Abschnitte und Episoden einzutauchen, zu denen man immer einen emotionalen Zugang finden kann. Außerdem, und das ist auch der Stil von „SOAP“, unterscheiden sich die Szenen sehr voneinander. Einerseits schnell geschnitten, auf der anderen Seite trägt auch die Musikauswahl, die querbeet von populären Songs zu Sachen, die nicht jeder kennt, aufgestellt ist, zur Stimmung bei. Das macht den Erzählstrang aus.

Die Show heißt „SOAP“ – so richtig viel Seife kommt in den einzelnen Episoden jedoch gar nicht vor. Ist die Show also eine Seifenoper?

Das stimmt, Seife ist nicht dabei. Eine Assoziationskette geht natürlich klar in Richtung Seifenoper, weil wir eine Opernsängerin auf der Bühne haben. „SOAP“ soll aber vor allen Dingen zeigen, was man in jedem Bad finden kann. Darüber werden Geschichten erzählt.

Inzwischen waren Sie mit der Show u. a. in Australien, Spanien und Deutschland  unterwegs. Wie sind denn die Reaktionen? Gibt es da Publikumsunterschiede?

Also ich würde schon sagen, dass das Feedback durchweg positiv ist. Natürlich sind Zuschauer in verschiedenen Ländern auch sehr unterschiedlich in ihren Reaktionen. In Australien gibt es die strikte Trennung zwischen Hochkultur und Kleinkunst nicht so sehr. Wir möchten ja auch kein großes Theater machen und ernste Themen behandeln, sondern die Leute mitnehmen und ihnen zwei schöne Stunden bereiten. Jetzt übertreibe ich: Eine Stunde und 40 Minuten. Wir wollen unterhalten, nicht auf eine plumpe Art und Weise, bei der man nur vor sich hinlächelt, sondern mit der Möglichkeit, in verschiede Emotionen einzutauchen. In Australien waren die Leute sehr offen für das Genre, was aber nicht bedeutet, dass die Show in Deutschland schlechter angekommen ist, in Deutschland ist das Publikum halt etwas zurückhaltender. Hier gibt das Publikum eher ganz am Ende den Applaus und steht auf.

Wie sehen Sie das Badewannen-Image in „SOAP“? Zwischenmenschliche Beziehungen werden in der Show ziemlich sexy dargestellt, dennoch ist es ja ein Abend für die ganze Familie.

Auf jeden Fall. Das Interessante ist eigentlich, dass, wenn man es sexy nennen möchte, das ja natürlich mit dem Thema verbunden ist. Dadurch wird es viel weniger herausgestellt, weil es kein ungewöhnliches Bild ist. Es ist ungewöhnlicher, jemanden komplett bekleidet in die Badewanne zu setzen als jemanden, der wenig anhat. Das Ganze ist also natürlich verpackt, ganz ohne etwas Anrüchiges. Deswegen ist es schon eine Show für die ganze Familie. Sinnliche Szenen und Körperkunst stehen auch in Zusammenhang mit den verschiedenen Disziplinen. Die durchtrainierten Körper bieten natürlich auch viel Potenzial, um diese auch darzustellen, und damit spielen wir ganz bewusst.

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„Die Badewanne ist ein Rückzugsort“, sagt Maximilian Rambaek. Dennoch bringt der Regisseur zusammen mit Markus Pabst bereits seit 2007 „SOAP - The Show“ und damit gleich sechs Wannen auf die Bühne. Die Idee kam Pabst nach der Produktion einer Ein-Mann-Wasser-Show in München. Rambaek holte er mit ins Boot, und seitdem begeisterte das Spektakel über zwei Millionen Zuschauer unter anderem in [mehr...]