Independent Dance

| André Cornellier

Was war das für eine sagenhafte Kollaboration, als Louise Lecavalier in den 1990ern als Mitglied von La La La Human Steps David Bowie auf der Bühne begleitete. Lecavalier, geboren 1958, war da bereits seit 1981 im Ensemble der kanadischen Compagnie des Choreografen Edouard Lock, der mit der Postulierung des „intelligenten Körpers“ Tanzgeschichte schrieb. Mit ihrer faszinierenden Umsetzung eines völlig neuen Bewegungsvokabulars wurde sie zur Ikone des zeitgenössischen Tanzes.

Ihre körperliche Aussagekraft ist ungebrochen. Nur ihre markanten langen blonden Locken wichen einer Kurzhaarfrisur. So sieht sie beinahe aus wie eine weibliche Version des Herrn Bowie. Ganz schlicht kommt sie auf die Bühne. Barfuß. Und ist da. Ihre Gliedmaßen flirren, es ist ein elegantes virtuoses Zögern und Vollenden, ein sich mit den Bewegungen zerreißen und sogleich wieder neu zusammen setzen. Sie greift in die Luft. Die Klänge der Band Mercan Dede treiben sie voran mit einem Mix aus rauer Elektronik und sanften Sufi-Sounds. Im blauen Licht wird selbst ein Außer-Atem-Sein zum choreografischen Element. Lecavalier zeigt stilisierte Fahrigkeit in Bodennähe, gibt ein gekonntes Straucheln, dann bewegt sie sich schon wieder wie im Zeitraffer.

Dieser Umgang mit Bewegung ist spektakulär. Während sie auf Knien kriecht, bündelt sie ihren Körper wie zu einer einzigen Gliedmaße, die eine intensive Gestik in den Raum schreibt. Aus rasendem Tempo und kraftzehrenden Passagen heraus dann wieder nichts als Atem. Im qualvoll langen Kopfstand verdreht und deformiert sich Lecavalier wie gegen die Gesetze der Schwerkraft, wird zur im Halbdunkel installierten Skulptur. Dann liefern Arme, Hände und Füße plötzlich minimale Zitate klassischer Ballettposen. Das Stück scheint bereits vollkommen. Doch dies sind nur Auszüge der Solo-Parts zu ihrer neuesten Arbeit, noch ist das Stück in der Entwicklungsphase. Bei der Uraufführung von „So Blue“ wird sie auch gemeinsam mit dem Tänzer Frédéric Tavernini auf der Bühne sein. Das tanzhaus nrw präsentiert diese Weltpremiere.