Dreharbeiten zum Helge Schneider-Film: Auf dem Weg zum Friseur

Jetzt mach' ich das mal wieder | Foto: Bernd Spauke

Mit der Figur seines Kommissars 00 Schneider kehrt Helge Schneider 2013 auf die Kinoleinwand zurück. Jens Mayer schaute beim Dreh im herbstlichen Mülheim vorbei.

„Hier will jemand zum Friseur. Kann ich sie noch durchschicken?“. Am Eingang der unscheinbaren Straße in der Nähe des Mülheimer Hauptbahnhofes spricht ein Mitarbeiter der Filmproduktion in sein Funkgerät. „Okay. Kann noch durch“, erhält er als Antwort. Der Mann in der Reflexionsjacke weist der irritiert blickenden Frau den Weg an der Absperrung vorbei: „Halten Sie sich bitte links auf dem Gehweg.“ Die Dame schaut sich um und setzt sich dann unsicher, aber schnellen Schrittes in Bewegung. Nach ungefähr zweihundert Metern passiert sie eine Menschentraube. Zig Kameras und Mikrofone sind auf einen Mann mit langen Haaren, Ledermantel und Sonnenbrille gerichtet, der wiederum in ein Gespräch vertieft ist und sich vom Trubel um ihn herum nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ungläubig blickt sich die Frau in sicherer Entfernung noch einmal um: „Ist das nicht …?“ Dann verschwindet sie in den Räumlichkeiten eines benachbarten Friseursalons.

Sie hat richtig gesehen. Der extravagant gekleidete Typ mit Sonnenbrille ist Helge Schneider, der mit seinem Filmteam gerade die nächste Szene bespricht. Mit einigen Metern Abstand verfolgt eine neugierige Gruppe aus Medienvertretern jede seiner Regungen. Eine Mitarbeiterin der Produktion muss sie immer wieder höflich aber bestimmt darum bitten, etwas zurückzutreten: „Bitte lassen Sie uns Platz zum Arbeiten!“ Es ist der 22. Tag seit Beginn der Dreharbeiten von 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse, der in Mülheim, Essen und Duisburg realisiert wird. Kurz vor Start seiner WDR-Show „Helge hat Zeit“ hatte der Entertainer auch einen neuen Kinofilm angekündigt. Acht Jahre nach „Jazzclub“ führt er wieder Regie, dieses Mal bei einer neuen Geschichte seines beliebten Kriminalkommissars.

„Es macht unglaublichen Spaß, diesen Film zu machen“, erklärt Schneider später. „Ich habe lange Zeit keinen machen wollen, aber komischerweise hatte ich das Gefühl: Jetzt mache ich das mal wieder! Ich habe so viel Spaß daran, dass ich vielleicht nächstes Jahr oder in anderthalb Jahren weitermache.“ Heute erlebt die eingeladene Presseschar vor allem, wie langwierig sich Filmarbeit gestaltet. Sie beobachtet, wie eine mysteriöse Person mit Sack über dem Kopf auf einem handbetriebenen Fahrrad die Straße entlang fährt. Anschließend ist Peter Thoms als Oma Hartmann zu bewundern, die den Kommissar verflucht und ihm den Vogel zeigt. Zuletzt kommt sogar noch der Privatwagen des Entertainers mit einer spektakulären Bremsung zum Einsatz, und auch Hund „Zorro“ hat seinen großen Auftritt hinter dem Lenkrad. Nur Rocko Schamoni, der die Rolle des Schurken „Eidechse“ übernimmt und aktuell mit Fraktus für Furore sorgt, ist leider nicht am Set. Zweieinhalb Stunden kann man im nasskalten Herbstwetter zusehen wie vielleicht 30 bis 60 Sekunden verwertbares Filmmaterial entstehen. „Ich war überrascht, dass das so professionell war. Seine Filme sehen immer so unfertig aus“, gesteht ein Journalist vor der anschließenden Pressekonferenz.

Am Ende des Drehtages stellt sich Helge Schneider dann den Fragen der Medien. Für seine neue Version des schlagkräftigen Kommissars hätten ihn Schauspieler Eddie Constantine und klassische Ermittler wie Sherlock Holmes, Kojak, Nero Wolfe und Derrick inspiriert. Aktuelle Vorbilder habe er nicht: „Ich mache das Fernsehen gar nicht mehr an. Da soll ja immer so realistisch sein.“ Er wolle andere Filme drehen, „die einen zum Lachen und zum Weinen bringen; die einen mitnehmen in ein Land der Fantasie. So ist Kino ursprünglich ja mal gesehen worden.“ Der Kinostart von „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ ist für die zweite Jahreshälfte 2013 geplant.

helge-schneider.de