Starlight Express rangiert Papa aus: Fans lassen Dampf ab

Schöne heile Starlight-Welt? | Foto: Starlight Express / Jens Hauer

Zum 30. Geburtstag des extra für die Show gebauten "Starlight Express"-Theaters in Bochum soll 2018 die Rolle des Dampfzugs „Papa“ durch eine „Mama“ ersetzt werden. Die Begeisterung der Fans hält sich in Grenzen.

„Neue Songs, neue Rollen, neue Technik“: Starlight Express will in den nächsten Jahren weiterhin glänzen. Die Politur erfolgt passend zum Jubiläum. Es handele sich um eine „von Andrew Lloyd Webber aufwendig überarbeitete Version des Rollschuhklassikers“, so Julia Benkel-Teubner. Die Pressesprecherin erklärt weiterhin, dass die Überarbeitung mehrere Wochen dauerte. Dazu setzte sich das Londoner Kreativteam zusammen, um die Ideen dann im September einem ausgewählten Publikum vor Ort zu präsentieren.

Bald Geschichte: Papa | Foto: Starlight Express / Jens Hauer

Neu erzählt

„Mama“ sei eine „starke Frauenfigur, die Dampflok Rusty mit kräftiger Bluesstimme lehrt, an sich selbst zu glauben“. Die Umstellung soll nach der Uraufführung zur Premiere im Juni 2018 permanent sein. Der Wunsch zur Änderung kommt vom Komponisten selbst. Den ursprünglichen Texter Richard Stilgoe hat sich Webber auch wieder ins Boot geholt. Zusammen haben sie „das Stück komplett überarbeitet, so dass die Geschichte […] ab Juni neu erzählt wird“. Anfang nächsten Jahres sollen nähere Angaben zu den zahlreichen weiteren inhaltlichen Überraschungen folgen. Deutlich werde sich das von Überarbeitungen aus den vorherigen Jahren unterscheiden, denn die jetzt folgende soll „alle bisherigen Änderungen in den Schatten stellen“.

Vorsingen und -sprechen für „Mama“ wurden schon in London, Wien und Bochum veranstaltet. Außerdem sei das gut vernetzte Kreativ-Team aus Bochum in Bekanntenkreisen auf der Suche. Aber das ist nicht der einzige Weg, wie die Rolle besetzt werden soll. Bewerben können sich „sportliche Sängerinnen mit einer kräftigen, warmen Blues-Stimme“.

Entwicklung

Das Stück wurde vor 33 Jahren uraufgeführt und gastierte schon in den unterschiedlichsten Ländern. Fast jedes Mal erfuhr es Änderungen und Anpassungen, die logistische Gründe hatten. Lieder wurden ausgetauscht und neu geschrieben, die jetzt in Bochum gespielte Version existiert erst seit 2013. Der nun angekündigte Wechsel von „Papa“ zu „Mama“ verursacht Wut bei Fans auf Social Media Seiten wie Facebook. Da das den Angaben der Pressesprecherin zufolge nicht die einzige Änderung bleiben wird, muss man sehen, wie die Reaktionen Anfang nächsten Jahres ausfallen. Momentan sind viele Gemüter erhitzt.

Fans in Rage

Die angekündigte Änderung vom „Papa“ zur „Mama“ gefällt vielen Fans nicht. Der Tenor generell: „Papa“ soll bleiben, „Mama“ ist unnötig emanzipatorisch. Manche drohen bei Facebook damit, das Theater nicht länger zu besuchen. User Andrea Hering schreibt dazu: „Vielleicht möchte man Rusty auch eines Tages zum Mädchen machen. Dann kann er sich mit Pearl ja an den Zöpfen ziehen. Mit Verlaub, ich finde, dieser Emanzen-Quatsch ist Bullshit.“

Beatrix Christian findet den Wechsel „grotesk“.

User Markus Krüger schreibt: „Für mich ist Starlight Express gestorben!“. Er erzählt, wie ihm der „Papa“ Kraft gegeben hat und ihm ein Vorbild war. Die Verstärkung des weiblichen Cast empfindet er als schlimm: „keiner hat sich je beschwert. Starlight Express ist so schön und perfekt gewesen und nun macht man alles kaputt.“

Es gab aber auch gemäßigtere und positive Reaktionen. Zum Beispiel von Thorsten Kaja, der von seinem durch Starlight Express entfachten Musicalfieber berichtet und dann mit zwinkerndem Smiley „Mama“ ablehnt.

Zu einem Video eines Vorsingens schreibt Eva Laurentow Quiao, dass sie es begrüßen würde, wenn „Papa“ bliebe und statt einer „Mama“ „Belle“ zurückkommt.

Quiao war bei der Uraufführung im Londoner Victoria Theater 1984 und bei der Broadway Premiere noch dabei, ist aber in Bochum noch nie über die Bühne gerollt. „Sie war ja schließlich eine Art Mama“, denn sie ist früher mit „Papa“ Rennen gefahren und eine Bezugsperson für Rusty. Claudia Straßek findet: „im ersten Moment ist man echt geschockt doch erstmal abwarten“.

Nach fast 30 Jahren Laufzeit ist klar, dass dem Publikum Figuren und Songs ans Herz wachsen und dass Mehrfachbesucher eine Lieblingsversion haben. Musicals sind bekannt, berühmt und beliebt wegen Tanz- und Gesangseinlagen und absurden Prämissen. In erster Linie geht es um Unterhaltung und dazu sind Änderungen nützlich, denn sie halten die Zuschauer auf Trab. Das findet auch User Birte Heilig: „Ich freue mich auf nächstes Jahr! Das wird sicher gut! Genau so etwas hat noch gefehlt, auch wenn ich Papa vermissen werde. Kann Rusty nicht beide Elternteile behalten?!"

Also: nicht gleich aus den Rollschuhen fallen und dem Ganzen erstmal eine Chance geben. Starlight Express ist vielleicht nicht mehr das, was es einmal war, aber das muss ja nichts Schlechtes sein. Julia Kunz