Kommentar: Rentner erhält Bußgeld wegen Ausruhens

Warmes Klima in Düsseldorf? | Foto: Nadine Beneke

Acht Minuten. Von 11.40 bis 11.48 Uhr ruhte sich ein 86-jähriger, dementer Rentner an einer Haltestelle in der Nähe des Hauptbahnhofs aus. Grund genug für den städtischen Ordnungs- und Servicedienst, eine Verwarnung mit Bußgeld zu verhängen. Am Wochenende wurde der Fall bekannt und rief Empörung in den sozialen Netzwerken und Medien hervor.

Das Knöllchen nahm der OSD inzwischen zurück. In einer Erklärung der Stadt heißt es: „Der 86-jährige Rentner, der am 14. November durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes ein Verwarngeld (‚Knöllchen‘) über 35 Euro wegen Verstoßes gegen Paragraph 3 der Düsseldorfer Straßenordnung erhielt, muss diese Strafe nicht bezahlen. Das Verfahren gegen ihn wird ‚von Amts wegen‘ eingestellt. Einer schriftlichen Äußerung des Betroffenen bedarf es nicht mehr.“ So weit, so gut. Eines aber wird deutlich: Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist von städtischer Seite offensichtlich nicht gewünscht. Bänke werden der gemeinnützigen Organisation fiftyfifty zufolge seit Jahren in der Mitte unterteilt aufgestellt, damit sich Obdachlose nicht mehr darauf niederlassen können.

Düsseldorf ist an vielen Stellen ein unruhiger, rennender Ort, an dem jeder weiterhechtet, um irgendwo seinen Ruhepol zu finden. Aber bitte: im Privaten. Denn in der Öffentlichkeit gilt es, dem nächsten Termin, der nächsten Whatsapp-Nachricht, der nächsten Aufgabe entgegenzurennen. Ein Lächeln, Innehalten oder schlicht, eine Pause, ist nur selten drin. Ein bedauerlicher Einzelfall, vielleicht, bei dem ein Mann wegen Ausruhens beinahe bestraft wurde. Dennoch: Der Stadt – und uns, ihren Bewohnern - stünde ein bisschen mehr Gemütlichkeit und Empathie gut zu Gesicht. Ganzjährig. Nadine Beneke